Das Gericht bestätigte die Persönlichkeitsverletzung durch die «Blick»-Berichterstattung anlässlich der Landammanfeier im Dezember 2014 gegenüber der damaligen Zuger Politikerin. Nun geht der juristische Kampf jedoch weiter. Jetzt soll das renommierte Zürcher Verlagshaus Ringier für weitere mögliche persönlichkeitsverletzende Artikel zahlen. Ein ähnlicher Fall kostete den Verlag einst über eine Million Franken.

Boulevard-Schlagzeilen. Wie bekannt wurde, hat Spiess-Hegglin gegen Ringier bereits Mitte August eine weitere, umfassende Klage beim Zuger Kantonsgericht eingereicht. Bild: Ausriss Blick

Nach einer von der Schweizer Boulevardzeitung «SonntagsBlick» lancierten Kampagne, bei der Thomas Borer fälschlich eine aussereheliche Affäre mit Djamila Rowe angedichtet wurde, schied dieser zum 1. Mai 2002 auf eigenen Wunsch hin aus dem Staatsdienst aus. Michael Ringier, der Verleger des Blicks, entschuldigte sich im Juli 2002 öffentlich beim Ehepaar Borer-Fielding, und Chefredaktor Mathias Nolte trat zurück. Der Ringier-Verlag musste nach einem aussergerichtlichen Vergleich laut Wikipedia Schmerzensgeld von über einer Million Schweizer Franken zahlen.

Ringier-Chef Marc Walder zeigt Reue

Mit der erstmaligen Nennung ihres vollen Namens in einem Bericht über die Ereignisse an der Zuger Landammannfeier 2014, hat die Boulevard-Zeitung «Blick» die Intimsphäre von Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin verletzt. Das Zuger Obergericht hatte dies am Montag vor einer Woche entschieden. Nach dem Entscheid entschuldigte sich Ringier-Chef Marc Walder umgehend. Walder hielt in seiner Stellungnahme fest, dass es «nie die Absicht» gewesen sei, mit der Berichterstattung Leid zu verursachen. «In der Rückschau auf die vergangenen fast sechs Jahre sehen wir aber, dass Jolanda Spiess-Hegglin durch unsere Berichterstattung verletzt wurde.»

Spiess-Hegglin kämpft für Gerechtigkeit

Spiess-Hegglin hielt dazu später im Interview mit dem Online-Portal Persönlich fest, dass es bei diesem Urteil lediglich um den einen Artikel gehe. «Weitere Genugtuungsklagen sind in Planung», sagte sie. Die Angelegenheit geht laut Spiess-Hegglin nun weiter mit dem Einklagen der gesamten Medienkampagne und der Gewinnherausgabe. «Dies ist in der Vorbereitung», sagt sie.

Wie die Aargauer Zeitung (CH Media) berichtete, hat Spiess-Hegglin gegen Ringier bereits Mitte August eine weitere Klage beim Zuger Kantonsgericht eingereicht. Inhaltlich geht es auch bei dieser Klage erneut um Persönlichkeitsverletzungen. Allerdings zielt Spiess-Hegglin nicht mehr nur auf den ersten Artikel, der im «Blick» erschienen ist, sondern auf fünf weitere. Dabei handelt es sich um eine Stufenklage.

Neue Stufe neuer Aspekt

Die erste Klage zielte darauf ab, die Persönlichkeitsverletzung gerichtlich festzustellen und dafür von Ringier Genugtuung zu erhalten. Jetzt bei der zweiten Klage geht es um das Geschäftsmodell des Online-Portals «Blick». Das Gericht soll nun ermitteln, wie viel der Verlag Ringier mit der Veröffentlichung der möglichen persönlichkeitsverletzenden Artikel verdient hat. Noch ist offen, wie das im Detail genau berechnet wird.

Aber klar ist schon jetzt: Werbewirksame Klicks (Seitenaufrufe/Unique Users) sind massgebend für die Einnahmen! Spiess-Hegglin dazu auf Twitter: «Mein Ziel ist es, dass sich die Branche verändert, dass die Medien aus dem Fall lernen und die Arbeitsweise überdenken.»

Verlag nimmt Stellung

«Wir haben die zweite Klage betreffend Gewinnherausgabe zur Kenntnis genommen. In der Klageantwort werden wir dem Gericht die massgebenden Informationen zur Gewinnberechnung offenlegen. Es ist aber zu befürchten, dass die Vorstellung der Klägerseite über den erzielten Gewinn und die ökonomische Realität des Mediengeschäfts enorm weit auseinander liegen», sagte Johanna Walser, die Sprecherin des Verlags, in der «Luzerner Zeitung».