Schweizer Campingplätze stecken noch im Corona-Lockdown fest. In Luzern und Umgebung wird man ungeduldig. Der Schweizerische Campingverband und der TCS fordert die sofortige Öffnung aller Campings. Radio Lozärn hat recherchiert.

Zum dritten Mal in Folge wurde der TCS Camping Sempach (Bild) von Gästen zu den beliebtesten 100 Campingplätzen in Europa gewählt!

Oliver Grützner ist Leiter Tourismus & Freizeit beim Touring Club Schweiz. Im Interview mit TCS MyMed erklärt er, wie sicher Campingplätze auch in Corona-Zeiten sind. Radio Lozärn zitiert daraus.

Herr Grützner, Campingplätze dürfen bald wieder öffnen, werden Sie nun mit Buchungen überhäuft?
Nein, alle Campingplätze sind bis zum 7. Juni 2020 aufgrund der Verordnung des Bundes für Touristen geschlossen. Einzig Dauermieter sind zugelassen und Mietunterkünfte mit eigenen Sanitäranlagen dürfen vermietet werden. Das ist aber nur eine Minderheit. Der Bundesrat will am 27. Mai über die Öffnung entscheiden. Nichtsdestotrotz ist die Nachfrage sehr hoch und liegt zum Beispiel für Juli und August schon rund 70 Prozent über dem Vorjahr.

Welche Schutzmassnahmen werden auf den TCS-Campingplätzen getroffen?
Der Branchenverband SWISSCAMPS hat ein Schutzkonzept für Camping ausgearbeitet, welches wir für unsere Campingbetriebe angepasst haben. Die wichtigsten Regeln dazu sind auf dem Plakat ersichtlich.

Duschen, Lavabos und WCs werden von vielen Menschen geteilt, ist das nicht gefährlicher als im Hotel?
Überhaupt nicht, die meisten Wohnwagen, Wohnmobile und eben auch Mietunterkünfte haben eigene Sanitäranlagen. Die gemeinschaftlich genutzten Anlagen auf den Campingplätzen sind analog einer Jugendherberge oder SAC Hütten – welche ja geöffnet sind. Im ÖV oder im Restaurant sind die Menschenansammlungen weit höher als auf dem Campingplatz auf offenem Gelände.

Und werden die Annullationsbedingungen angepasst?
Für Stornierungen bis zum 8. Juni sind wir kulant und die Kunden können frei ändern oder annullieren. Ausländische Gäste werden ebenfalls aufgrund der Grenzschliessungen kulant behandelt.

Welchen Rat legen Sie Campern dieses Jahr ans Herz?
Frühzeitig einen Stellplatz auf einem der 24 Plätze des TCS reservieren und sich auf www.camping-insider.ch über die Aktualität informieren.

Auch Matthias Kochrian, Präsident des Schweizerischen Camping und Caravanning Verbands, nimmt bei TCS MyMed Stellung.

Herr Kochrian, welche Schutzmassnahmen werden auf den Campingplätzen in der Schweiz getroffen?
Die Campingplatzbetreiber werden alles geben, um den Gästen gerecht zu werden. Dazu gehört auch ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Ich weiss, dass Caravaning Suisse, SwissCamps und der SCCV im engen Austausch miteinander standen, um den Campingplätzen ein Hygienekonzept anbieten zu können. Es wird Desinfektionsstationen geben und die Reinigung der Sanitäranlagen wird noch spezifischer in Bezug auf COVID-19 durchgeführt. Ich denke, dass wir viele Schutzmassnahmen aus unserem Alltag auch auf dem Campingplatz – an der Rezeption, im Einkaufsladen oder im Sanitärbereich – sehen werden.

Viele Menschen teilen wenige Sanitäranlagen, ist das nicht gefährlicher als im Hotel?
Das ist die grösste Herausforderung. Camper, die ihre eigenen WCs und Duschen verwenden, entlasten so sicherlich auch die Campingplätze. Die Campingplätze werden hier noch mehr gefordert sein, dem gewünschten Standard des Bundesamts für Gesundheit gerecht zu werden. Ich denke, es ist wichtig, dass hier alle Camper und Campingplätze miteinander agieren. Zusammen können wir unserer Leidenschaft am besten nachgehen.