Die einen küssen sich gerne im Lift, wenn sie zu zweit unterwegs sind, die anderen neu unter dem Kuss-Baum am General-Guisan-Quai beim Verkehrshaus in Luzern.
Einigen Leuten ist es aufgefallen: Plakate hängen an Bäumen mit dem Text «Kussbaum» und «Kissing Place» an den Stämmen am General-Guisan-Quai. Ein Blick in die Baumkrone bestätigt: Da wächst auf dem Baum eine zweite Pflanze. Die Mistel hat sich bei einigen Bäumen heimisch gemacht.
Was hat es mit dem Mistelzweig auf sich?
Die Mistel ist eine Pflanze, die seit Jahrhunderten mit verschiedenen Mythen und Traditionen verbunden ist, insbesondere in der Weihnachtszeit. Eine der bekanntesten Bräuche ist das Küssen unter dem Mistelzweig, eine Tradition, die ihren Ursprung in alten Legenden und Ritualen hat. Die Mistel galt in vielen Kulturen als heilige Pflanze. In der nordischen Mythologie spielte sie eine zentrale Rolle in der Geschichte von Baldur, dem Gott des Lichts und der Reinheit. Baldur wurde durch einen Mistelpfeil getötet, was zu grossem Kummer unter den Göttern führte. Um diesen Verlust zu ehren, wurde die Mistel später als Symbol des Friedens und der Versöhnung angesehen.
Im keltischen Glauben wurde die Mistel als magische Pflanze betrachtet, die Heilkräfte besass und Schutz vor bösen Geistern bot. Druiden schnitten die Mistel mit goldenen Sicheln und verwendeten sie in verschiedenen Ritualen.
Die Tradition des Küssens unter dem Mistelzweig stammt wahrscheinlich aus England und wurde im 18. Jahrhundert populär. Es hiess, dass ein Kuss unter dem Mistelzweig Glück und eine lange, glückliche Beziehung bringen würde. Der Brauch besagt, dass ein Mann eine Frau unter dem Mistelzweig küssen darf, und jeder Kuss sollte von einem Pflücken einer Beere begleitet werden. Wenn alle Beeren gepflückt sind, endet die Kussmöglichkeit.
Diese romantische Tradition hat sich bis heute gehalten und ist besonders in der Weihnachtszeit beliebt. Mistelzweige werden oft in Türrahmen oder an Decken aufgehängt, um Paaren die Gelegenheit zu geben, sich darunter zu küssen und so das Glück und die Liebe zu fördern.
Die Mistel symbolisiert also nicht nur Liebe und Romantik, sondern auch Frieden und Versöhnung. Sie erinnert uns daran, in der festlichen Jahreszeit Liebe und Freundschaft zu feiern und zu pflegen.
Zurück zu den Plakaten: Vier rote Küsse ziehen die Neugier der vorbeispazierenden Luzerner Bevölkerung an. «Sich unter einem Mistelzweig zu küssen, verspricht Glück.» Einige bleiben stehen, lächeln und nehmen das Handy hervor und schiessen ein Foto.
Der Hinweis: «Wenn alleine oder mit der falschen Person vor Ort, kein Problem, dann zaubert dieses Plakat hoffentlich ein Lächeln ins Gesicht.» Das Plakat hat seine Wirkung nicht verfehlt.







