Luzern ist im November jeweils der Hotspot aller Bluesliebhaber. Weltweit! Das Lucerne Blues Festival findet im Grand Casino Luzern, Hotel Schweizerhof Luzern und Hotel Seeburg Luzern statt. Nun wird es zum ersten Mal in der Geschichte abgesagt: Wegen dem Coronavirus. Radio Lozärn im Interview mit Festival-Präsident Martin «Kari» Bruendler.

Interview von Heinz Steinmann

Martin «Kari» Bruendler, Du bist bereits im 6. Jahr Präsident vom Lucerne Blues Festival und schon seit 24 Jahren dabei. Findet das 26. Blues Festival am 7. November in Luzern statt?

Wir müssen schweren Herzens das 26. Festival im November leider verschieben. Es wird in diesem Sinne nicht abgesagt, sondern ins 2021 verschoben. Aber dieses Jahr können wir es leider nicht durchführen.

Das ist sehr traurig für alle Blues-Fans. Kann man verraten was uns dieses Jahr damit entgeht oder sind da noch Verhandlungen im Gange?   

Ja wir haben bereits schon vor Ausbruch der Coronakrise mit Musikern aus den USA verhandelt und haben bereits Verträge abgeschlossen. 9 Bands hatten wir für dieses Jahr schon verpflichtet. Im Moment verhandeln wir mit diesen Musikern neu, denn wir möchten sie alle im 2021 nach Luzern bringen. Weil wir noch in laufenden Verhandlungen mit den Musikern sind und noch nicht genau wissen wer dann nächstes Jahr tatsächlich auftritt, möchte ich hier lieber noch keine Namen nennen. Eine grossartige Band die gekommen wäre kann ich jedoch verraten: Rick Estrin mit The Nightcats! Eine sehr bekannte Band und in Luzern nicht unbekannt, da hätte ich mich natürlich sehr darauf gefreut sie dieses Jahr in Luzern live erleben zu dürfen. Aber ich kann Euch versprechen, wir werden alles daran setzten, dass diese Top-Acts welche wir separat extra für unser Festival zusammengestellt haben, nächstes Jahr nach Luzern kommen – da setzen wir wirklich alles daran!

Abgesehen davon, dass das 26. Blues Festival an uns Blues-Fans vorbei gehen muss, frage ich mich, wie geht es denn eigentlich den Akteuren in Amerika, den Blueserinnen und Blueser die teilweise auch schon älteren Datums sind. Wie erleben sie die Pandemie und die Konzertverbote?

Wir sind natürlich ständig im Austausch mit Musikern, Veranstaltern und Organisationen in den USA und die Bluesmusik war schon vor der Corona-Pandemie keine Populär-Musik die ständig am Radio läuft. Also hatten die Künstlerinnen und Künstler die zu uns nach Luzern kommen schon vorher kein Leben das auf Rosen gebettet war. Und jetzt mit dieser Pandemie hat sich das natürlich alles massiv verschlimmert, denn die haben zum Teil weder Krankenkasse noch Arbeitslosenentschädigung und können im Moment nirgends auftreten in den USA. Dadurch haben sie auch kein Einkommen mehr. Es gibt zum Glück verschiedene Organisationen in der USA wie zum Beispiel die Blues-Fundation mit ihrem Hardfund oder Music Relief Foundation die vor allem Schwarze Musiker unterstützt, wenn diese zum Beispiel Arztkosten bezahlen müssen, so dass sie überhaupt noch existieren können – und man muss es so hart sagen: Nur so können diese überleben. Wir haben in der Schweiz im Moment das Gefühl wir werden immer irgendwo aufgefangen im sozialen Netz, doch dort in den USA sind keine solche Netze vorhanden, da fällt man dann tatsächlich einmal durch alle Maschen.

Man kennt Dich als kreativen und innovativen Präsident des Lucerne Blues Festival und ich kann mir daher gut vorstellen, dass Du mit Deinen OK-Kollegen einige Überlegungen gemacht habt, wie man die Bluesfreie-Zeit im November überbrücken kann.

Diese Corona-Pandemie ist ja jetzt nicht neu ausgebrochen, wir wissen ja schon seit dem Frühling das wir in einer schwierigen Situation sind und haben uns seither im Vorstand bis zum heutigen Tag intensive Gedanken gemacht was wir daraus machen könnten, welche Alternativen sich für uns bieten. Da ist einerseits die Idee von Schweizer Bands und von europäischen Bands ein Thema. Dort stellt sich dann aber einfach immer die Frage, welche Schutzmassnahmen bestehen im November noch, muss man die Konzerte mit Schutzmaske besuchen, muss man Abstandsregeln einhalten, gibt es Kontaktverfolgung und all das? Das ist die eine Seite wo wir uns im Moment noch unsicher sind, wie sehen die Massnahmen im November tatsächlich aus und das andere ist das wenn man Konzertlokalitäten bespielt, dann ist da die Band die die auf der Bühne steht, doch das was die Leute weniger sehen ist die ganze Technik die es dafür braucht. Und gerade im Technik-Bereich, das können einige sicher gut nachvollziehen, sind es grosse Summen die man als Festivalveranstalter  investieren muss und das rechnet sich nur mit einer Grosszahl an Zuschauern. Sonst lassen sich die enormen Kosten nicht decken. Je nach Schutzvorschriften im November, behalten wir diese Option im Auge und könnten einen Anlass organisieren. Wir haben unsere Fühler längst ausgestreckt und sind mit unseren Partnern von Technik und Lokalitäten im ständigen Austausch, so dass wir doch noch etwas auf die Beine stellen können. Und das Zweite was wir uns überlegen um die Bluesfreie-Woche im November zu überbrücken,  sind virtuelle Sachen wie zum Beispiel Konzertmittschnitte von Musikern die nicht bei uns auftreten können dieses Jahr oder wir können alte Highlights über unsere virtuellen Medien streuen damit wir nicht ganz ohne Blues den November durchstehen müssen.

Das sind doch schon einige Lichtblicke für die Fans des Lucerne Blues Festival. Sie sprechen von Kosten, habt ihr denn keine Angst dass sich Sponsoren die schon länger dabei sind das Loch das jetzt entsteht zum Anlass nehmen, nächstes Jahr nicht mehr mitzumachen?

Wir sind natürlich ständig mit unseren langjährigen und treuen Sponsoren im Austausch und ich habe bereits seit der unsicheren Situation seit dem Frühling schon einige gute Gespräche geführt. Dabei habe ich eigentlich von allen Partnern das Signal bekommen, dass sie es verstehen wenn wir dieses Jahr aussetzen und das sie uns selbstverständlich wenn sich die Situation wieder normalisiert hat, wieder unterstützen wollen. Natürlich haben wir im laufenden Jahr auch Kosten und zum Glück haben wir von Sponsoren das Signal, dass sie uns trotzdem mit einem gewissen Betrag unterstützen um unsere laufenden Kosten zu tragen. Bisher gehen wir davon aus und haben berechnet, dass wir trotz der Coronakrise Finanziell nicht in Gefahr sind. Wir sind soweit gut abgesichert und können das Festival auch in Zukunft weiterhin durchführen. Ich bin sehr zuversichtlich das unsere Sponsoren unseren Aufbau der letzten 25 Jahre schätzen und das es auf jeden Fall weitergeht.