Luzern gibt der Strassenmusik mehr Raum – aber nicht überall. Mit dem Pilotprojekt «Deine Bühne» testet die Stadt neue Spielzeiten, Standorte und sogar Verstärker. Was steckt hinter dem Experiment?
In Luzern dürfen Musikerinnen und Musiker auf öffentlichen Plätzen auftreten – allerdings unter klaren Regeln. Ein neues Pilotprojekt mit dem Titel «Deine Bühne – City Busking Luzern» bringt nun frischen Wind in die Strassenmusikszene der Stadt.
Bisherige Regelung
Bislang war Strassenmusik in Luzern von Montag bis Samstag nur zwischen 17:00 und 21:30 Uhr erlaubt. Pro Standort durfte maximal 30 Minuten pro Tag gespielt werden. Verstärker, Lautsprecher oder Tonwiedergabegeräte waren strikt verboten. Das passive Sammeln von Spenden war erlaubt, aktives Ansprechen von Passanten hingegen untersagt.


Das neue Pilotprojekt
Im Juli und August 2025 wird an drei ausgewählten Standorten – dem Jesuitenplatz, dem Schweizerhofquai und der Ecke Hertensteinstrasse/Seehof – ein neues Konzept getestet. Dort darf bereits ab 14:00 Uhr musiziert werden, allerdings nur bis 21:00 Uhr. Am Jesuitenplatz gilt zusätzlich ein Spielverbot montags und donnerstags zwischen 17:15 und 17:45 Uhr.
Die maximale Spielzeit pro Standort beträgt neu 20 Minuten. Erstmals ist eine leichte Verstärkung erlaubt: Gesang, Gitarre und Tasteninstrumente dürfen mit akkubetriebenen Geräten bis maximal 100 Watt verstärkt werden.

Zielsetzung und Reaktionen
Während die bisherige Regelung vor allem auf Ordnung und Einschränkung abzielte, möchte das Pilotprojekt die Strassenmusik gezielt fördern und sichtbarer machen – allerdings nur an den drei genannten Standorten. Ausserhalb dieser Orte gelten weiterhin die bisherigen Regeln.
An der Generalversammlung des Quartiervereins Altstadt wurde das Projekt vorgestellt. Eine Geschäftsinhaberin äusserte Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Lärmbelastung in der Innenstadt. Eine andere Person fragte, ob Musikerinnen und Musiker vorgängig vorspielen müssten. Die Antwort lautete: «Ein Vorspielen ist nicht nötig – man darf einfach spielen.»
Stimmen aus der Stadt
Das Projekt wurde vom Luzerner City Management initiiert. RADIO LOZÄRN sprach mit City-Manager Erich Felber, der erklärte: «Es handelt sich um ein Experiment mit drei Standorten. Das Konzept wurde bereits in Salzburg und London erfolgreich umgesetzt. Für Luzern wurde es als Pilotprojekt mit unterschiedlichen Standorten gewählt. Der Lärmpegel am Schweizerhofquai ist aufgrund des Strassenverkehrs höher als an den anderen Orten.»


Ein Standort befindet sich direkt vor der Jesuitenkirche, vis-à-vis vom Hotel des Balances. Hoteldirektor Peter Büsser zeigt sich kritisch:
«Als betroffener Hotelier gegenüber vom Jesuitenplatz fehlt mir hierfür jegliches Verständnis. Lärm und Musik wie an der Fasnacht – nun auch täglich während zweier Monate im Juli und August. Wasserflächen wie die Reuss reflektieren den Schall, was die Geräusche zusätzlich verstärkt. Lärmemissionen versucht man überall zu vermeiden – hier fördert man sie. Für wen? Sicherlich nicht für unsere Hotelgäste oder Mitarbeitenden.»
Ausblick
Es bleibt abzuwarten, wie die Bevölkerung das neue Angebot wahrnimmt. Nach Abschluss des Projekts sollen die Rückmeldungen ausgewertet und über eine mögliche Weiterführung entschieden werden.








