Erstmals haben Fachleute DNA-Spuren der invasiven Quaggamuschel im Rotsee entdeckt. Die gebietsfremde Muschelart breitet sich in der Zentralschweiz weiter aus und erreicht nach dem Zugersee und Vierwaldstättersee nun auch den beliebten Naherholungssee.
Der Nachweis erfolgte mittels Umwelt-DNA-Analyse, bei der Forscher genetische Spuren im Wasser untersuchen. Diese sensible Methode kann bereits Arten in sehr frühen Ausbreitungsphasen erfassen. Konkret fanden die Fachleute in einer von zwei Wasserproben Quaggamuschel-DNA. Dennoch bleibt unklar, ob sich die Art bereits dauerhaft angesiedelt hat.
Quaggamuscheln Rotsee: Ausbreitung über Wasserverbindungen
Peter Ulmann von der Dienststelle Lawa des Kantons Luzern überrascht der Fund nur teilweise. Der Rotsee erhält Wasser aus dem Vierwaldstättersee über die Reuss und den Reuss-Rotsee-Kanal. «Deshalb war eine Ausbreitung grundsätzlich zu erwarten», erklärt der Fachmann. Zudem betont Ulmann, dass es sich bisher lediglich um DNA-Spuren handle und nicht um den Nachweis einer etablierten Population.
Technische Lösungen wie Mikrofilter im Zufluss wären theoretisch denkbar gewesen, um eine Einschleppung zu verhindern. Allerdings wären solche Massnahmen mit unverhältnismässigen Kosten verbunden und müssten sorgfältig auf ihren Nutzen geprüft werden. Ausserdem ist fraglich, ob sie technisch überhaupt umsetzbar wären.
Ökologische und technische Probleme
Die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende Quaggamuschel wurde 2014 erstmals in der Schweiz nachgewiesen. Seither breitet sie sich rasant aus und verändert Ökosysteme erheblich. Die bis zu vier Zentimeter grossen, beige-hellbraunen Muscheln beeinflussen sowohl die Lichtverhältnisse im Wasser als auch das Nahrungsnetz. Folglich finden Fische weniger Nahrung.
Derweil verursacht die invasive Art auch technische Probleme durch Verstopfungen in Leitungen und Anlagen. Das aktuelle Monitoring der Zentralschweizer Kantone bestätigt die bekannte Verbreitung im Zuger- und Vierwaldstättersee. Dennoch bleiben andere Gewässer wie Baldeggersee, Sempachersee, Ägerisee, Lauerzersee, Sihlsee, Wägitalersee, Hirschlen-See, Lungerersee und Sarnersee bisher frei von Befall.
Präventive Massnahmen bleiben zentral
Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, bleiben Schutzmassnahmen entscheidend. Dabei steht die Pflicht im Vordergrund, Boote und Ausrüstung vor dem Wechsel in andere Gewässer gründlich zu reinigen, zu entleeren und zu trocknen. Diese einfachen, aber wirkungsvollen Massnahmen können helfen, die Verschleppung von Larven zu verhindern.
Inzwischen rücken präventive Strategien noch stärker in den Fokus der Behörden. «Klarheit über eine etablierte Population gibt erst der Fund von ausgewachsenen Quaggamuscheln», teilte Umwelt Zentralschweiz mit. Allerdings zeigt der DNA-Nachweis bereits, dass Wachsamkeit und konsequente Präventionsmassnahmen unerlässlich bleiben, um die weitere Ausbreitung dieser problematischen invasiven Art zu begrenzen.







