Am Sonntag vor Weihnachten, am 22. Dezember, findet im Kino Bourbaki um 11 Uhr eine Matinee von Samirs neuestem Spielfilm «Baghdad in my Shadow» statt.

Mit seinem Film rüttelt Samir an drei zentralen Tabus der arabischen Gesellschaft – Gottlosigkeit, Frauenbefreiung, Homosexualität – und eröffnet eine interkulturelle Auseinandersetzung. Foto: HO.

London, kurz vor Weihnachten: Die willensstarke Architektin Amal – vor ihrem Ex-Mann auf der Flucht – arbeitet im Café Abu Nawas, einem beliebten Treffpunkt für Exil-Irakis, das einem kurdischen Aktivisten gehört. Ihre Freunde, der Dichter Taufiq und der IT-Spezialist Muhanad, kommen fast täglich vorbei. Taufiq kümmert sich seit dem Tod seines Bruders um seinen Neffen Naseer, muss aber machtlos dabei zusehen, wie sich dieser unter dem Einfluss des radikal-islamistischen Predigers Scheich Yasin zunehmend verändert und sich gegen ihn als Atheisten aufzulehnen beginnt.

Muhanad wiederum verliess Bagdad erst vor Kurzem, um der Bedrohung zu entkommen, der Homosexuelle dort ausgesetzt sind. Doch selbst hier und vor seinen Freunden traut er sich nicht, offen zu seinem Liebhaber zu stehen. Die kleine Gemeinschaft gerät in Gefahr, als Amals Ex-Mann in London auftaucht und zugleich Scheich Yasin Naseer dazu verführt, gegen die «Gottlosen» im Café Abu Nawas vorzugehen.

Samirs Drama geht unter die Haut

Nach seinem letzten Erfolg, dem Dokumentarfilm «Iraqi Odyssey», kehrt Samir zurück mit einem Drama, das unter die Haut geht. Er zeigt, wie sich die politische, moralische und kulturelle Vergangenheit wie ein Schatten an die Protagonisten heftet, auch ausserhalb des Heimatlandes. Dabei rüttelt Samir an drei zentralen Tabus der arabischen Gesellschaft – Gottlosigkeit, Frauenbefreiung, Homosexualität – und eröffnet eine interkulturelle Auseinandersetzung. Mit den Schauplätzen London und Bagdad war «Baghdad in my Shadow» die erste internationale Spielfilmproduktion, die seit dem Abzug der Amerikaner in der irakischen Hauptstadt gedreht wurde.

Samir wurde als Sohn einer Schweizerin und eines Irakers in Bagdad geboren

Seine Eltern siedelten 1961 in die Schweiz über, wo er auch in die Schule ging. Danach besuchte er die Schule für Gestaltung in Zürich und machte eine Lehre als Typograph (1971–73) und anschliessend eine Ausbildung zum Kameramann bei Condor Films. Ab 1983 arbeitete er als freischaffender Regisseur und Kameramann. 1985 nahm er das Schweizer Bürgerrecht an. Von 1984 bis 1991 war er Autor und Mitglied des Videoladens Zürich. 1994 übernahm er zusammen mit Dokumentarfilmer Werner Schweizer die Filmproduktionsfirma Dschoint Ventschr.

Nach seinem letzten Erfolg, dem Dokumentarfilm «Iraqi Odyssey», kehrt Samir zurück mit einem Drama, das unter die Haut geht. Bild: HO.

Ab Mitte der 1980er Jahre begann er eigene Filme zu realisieren. In den 1990er Jahren arbeitete er unter anderem im Auftrag der Condor Films AG als Regisseur von Serien wie Eurocops und Fernsehfilmen für zahlreiche deutschsprachige Fernsehsender. Seine Werkliste – als Autor, Regisseur und/oder Produzent – umfasst inzwischen über 40 Kurz- und Langspielfilme für Kino und Fernsehen. 2006 erhielt er den Aargauer Kulturpreis. 2015 wurde Samirs Dokumentarfilm Iraqi Odyssey als Schweizer Kandidat für eine Oscar-Nomination in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film benannt.