Am Falkenplatz in Luzern zieht süsser Zauber ein: Wo bislang Autos und Alltag dominierten, entsteht bald ein Schoggi-Paradies. Lindt eröffnet im Herbst 2025 in Luzern einen neuen Flagship Store – mit exklusivem Verkauf und interaktiver Erlebniswelt. Der Duft von Schokolade, der durch die Gassen zieht, macht Luzern bald noch ein Stück verführerischer.
Vom Grendel zum Falkenplatz: Wo früher ein Fussgängerstreifen den Platz kreuzte und sich Autos samstags ihren Weg durch das bunte Treiben Richtung Grabenstrasse bahnten, entsteht nun der Schoggi Platz in Luzern.
Wandel im Traditionshaus
Bis vor wenigen Jahren wurden im dreistöckigen Geschäftshaus Spielsachen von Franz Carl Weber verkauft. Nach dem Auszug des Spielwarengeschäfts übernahm ein Schuhgeschäft den Platz. Auch dies ist Geschichte, denn der Schuhladen ist um die Ecke gezogen.
Neu wird Lindt einen Flagship Store per Herbst 2025 einrichten. Aktuell erfolgt der Rückbau der alten Installationen. Ergänzt wird der Shop mit einer Erlebniswelt, die im nächsten Frühling eröffnet wird.
Aktuell gibt es im Umkreis von 300 – 400 m diverse Geschäfte, die Schokolade verkaufen: Max Chocolatier, Confiseur Bachmann AG, Sprüngli, Heini und Läderach.
Wie reagieren lokale Geschäfte auf den neuen Mitbewerber? Radio Lozärn hat nachgefragt.
Confiseur Bachmann AG
Raphael Bachmann, Co-Geschäftsführer der Confiseur Bachmann AG, erläutert im Gespräch, dass die Neueröffnung Sinn macht und nachvollziehbar ist. Aktuell wird nur am Schwanenplatz und Alpenstrasse in den Bachmann Läden Lindt-Produkte angeboten. Er betont, dass Confiseur Bachmann 95 % selbst hergestellte Schokoladenprodukte aus eigener handwerklichen Herstellung verkauft. Bei Lindt ist die Marktpräsenz weltweit und somit war es nicht überraschend, dass ein grosser Flagship-Store in Luzern gebaut wird.
Dabei betont er, dass Confiseur Bachmann ihre eigenen Produkte mit Nachhaltigkeit herstellt. Das Produkt Schutzengeli ist international unterwegs und wird bis nach Asien geliefert.
HEINI Conditorei AG
Die HEINI Conditorei hat seit 1981 einen Laden mit Café am Falkenplatz. Philip Heini: «Als wir erfuhren, dass Lindt einen Flagship Store am Falkenplatz in Luzern eröffnet, waren wir zunächst neugierig. Bei uns wurde bereits spekuliert, wer wohl in das Lokal einziehen würde. Die Nachricht, dass es Lindt ist, fanden wir spannend. Sie zeigt, wie attraktiv Luzern als Stadt und insbesondere der Falkenplatz als Standort ist.»
«Die Präsenz eines so grossen Players wie Lindt bedeutet für uns, dass eine weitere bekannte Marke in Luzern vertreten ist – das sehen wir grundsätzlich positiv. Natürlich stellt sich die Frage, ob sich der Wettbewerb dadurch verschärft. Wir gehen davon aus, dass insbesondere im Tourismusbereich ein gewisser Sogeffekt entstehen wird, da Lindt eine starke Anziehungskraft auf Laufkundschaft hat. Da Touristen jedoch nicht unsere Hauptzielgruppe sind, sehen wir darin keine grosse Bedrohung.»
Handarbeit ist Trumpf
Philip Heini: «Ob Lindt neue Kundschaft in die Stadt bringt oder bestehende Kunden abzieht, bleibt abzuwarten. Unsere Produkte unterscheiden sich jedenfalls deutlich von denen von Lindt – sowohl in der Machart als auch im Herstellungsort. Unsere Schokoladenspezialitäten entstehen mit viel Handarbeit direkt in unserer Confiserie in Luzern, nur wenige Schritte vom Falkenplatz entfernt. Jeder Osterhase wird bei uns von Hand gegossen, geschminkt und verpackt – im Gegensatz zum vollautomatisierten Goldhasen von Lindt, der in Deutschland produziert wird.»
«Eine Anpassung unseres Sortiments oder unserer Marketingstrategie ist derzeit nicht geplant. Wir sehen durch die klare Unterscheidung im Profil und in der Zielgruppe keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Dennoch sind wir stets auf der Suche nach neuen Spezialitäten und spannenden Rezepten. Lindt-Produkte führen wir ohnehin nicht – bei uns ist alles hausgemacht.»
Wer wird den neuen Laden am Falkenplatz besuchen?
Philip Heini: «Der Tourismus spielt für unser Geschäft eine untergeordnete Rolle. Unsere Hauptkundschaft kommt aus Luzern und der Schweiz, viele davon sind Stammgäste. Natürlich freuen wir uns auch über Touristen, die unsere handgemachten Spezialitäten schätzen – gerade weil sie diese nicht einfach in ihrem Heimatland kaufen können. Ob der Lindt-Store vor allem Touristen oder auch Einheimische ansprechen wird, bleibt abzuwarten. Sicherlich werden viele Luzernerinnen und Luzerner den Laden anfangs aus Neugier besuchen – ich selbst werde das auch tun. Langfristig wird sich zeigen, welche Gäste den Store regelmässig aufsuchen. Einheimische wissen, wo sie handgemachte Qualität finden und schätzen lokale Betriebe.»
«Aus Sicht der Stadtentwicklung ist jeder neue Laden mit einem guten Konzept eine Bereicherung – ob lokal oder international. Wichtig ist, dass die Vielfalt erhalten bleibt und die Stadt Raum für kleinere Anbieter schafft. Die Eröffnung des Lindt-Stores kann Luzern als Schokoladenstadt durchaus stärken, besonders rund um den Falkenplatz, wo sich nun mehrere Anbieter konzentrieren. Ob dies allein ein Grund für eine Reise nach Luzern ist, lässt sich schwer sagen – lohnen würde es sich aber allemal.»
Handwerklichen Betriebe bewahren die Seele Schoggi Kultur
Philip Heini: «Schokolade bedeutet mir persönlich sehr viel – das bestätigen auch alle in meinem Umfeld. Wenn ich auf einer Dessertkarte eine schokoladige Option sehe, ist meine Wahl schnell getroffen. Lindt hat die Schweizer Schokolade weltweit bekannt gemacht, was Respekt verdient. Dennoch dürfen wir die kleinen, handwerklichen Betriebe nicht vergessen – sie bewahren die Seele dieser Kultur.»
«Die Neueröffnung motiviert uns, unsere Stärken selbstbewusst zu zeigen: unsere Geschichte, unsere Verwurzelung in Luzern und unsere handgemachte Qualität. Das Confiserie-Handwerk hat Zukunft – wenn wir auf Regionalität, Qualität und Persönlichkeit setzen. Massenprodukte haben ihren Platz, aber sie können das Erlebnis einer echten Confiserie nicht ersetzen.»
«Von der Stadt und der Branche wünschen wir uns, dass sie weiterhin für einen guten Mix sorgen – zwischen kleinen lokalen und grossen internationalen Firmen. Luzern Tourismus weiss, dass es gerade die kleinen Geschäfte sind, die eine Stadt interessant machen. Oder wie man so schön sagt: Man geht ja auch nicht nach Paris, um dort in den McDonald’s zu essen.»
Ob der Markenbotschafter von Lindt, Roger Federer, das Band zur offiziellen Eröffnung des Stores analog wie in London durchtrennen wird, stand bis Redaktionsschluss nicht fest.
Eine Specherin von Lindt erklärt zur Frage, warum Luzern als Standort für einen Flagship Store gewählt wurde: «Mit seiner malerischen Lage zwischen See und Bergen sowie einem vielseitigen Kulturangebot für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt ist Luzern ein Topstandort.»








