Ein Traditionsgeschäft mitten in der Luzerner Altstadt, rund 70 Jahre Geschichte – und doch kein bisschen verstaubt: Alceo Benedetti führt Kost & Brechbühl mit viel Stil, Feingefühl und einem ausgeprägten Gespür für Menschen. Ein Interview über Verantwortung, Lieblingsbrillen und die Kunst, mit einem Accessoire Persönlichkeit zu unterstreichen.
Ein Gespräch mit Alceo Benedetti, Geschäftsführer von Kost & Brechbühl Luzern
Interview: Ronnie Hürlimann
Alceo, du führst ein Geschäft mit langer Tradition. Was bedeutet es dir, dieses Erbe weiterzutragen?
Das erfüllt mich mit Stolz – aber auch mit Ehrfurcht. Ein solches Geschäft übernimmt man nicht einfach, man wird Teil von etwas Grösserem. Schon in meiner Lehrzeit habe ich gemerkt, wie viel Freude, aber auch Verantwortung dieser Beruf mit sich bringt. Ich wurde früh gefördert und habe gemerkt: Das ist mein Ding. Man will nicht derjenige sein, der ein so wertvolles Erbe in den Sand setzt – man will es weiterführen und mit Leben füllen.
Was bereitet dir heute am meisten Freude an deinem Beruf? Die Technik, die neuen Designs – oder der Kontakt mit den Kundinnen und Kunden?
Für mich ist es ganz klar der persönliche Kontakt. Die Begegnungen. Es ist ein echtes Privileg, jemanden so zu beraten, dass die Brille am Ende wirklich passt – nicht nur optisch, sondern auch zur Persönlichkeit. Natürlich liebe ich auch schöne Designs, aber mein Antrieb ist die Freude am Menschen.
Ein Traditionsbetrieb bringt auch Verantwortung mit sich. Wie gehst du mit dieser Aufgabe um – gerade mit Blick auf die Zukunft?
Das Thema Nachfolge ist bei uns präsent. Wir machen uns jetzt schon Gedanken – so etwas muss man mit Weitblick angehen. Wer einmal diesen Betrieb übernimmt, soll das mit Herz, Freude und Verantwortungsgefühl tun. Das braucht Zeit, Verständnis und Leidenschaft. Nur so funktioniert es.
Wie gelingt es dir, die Werte eines traditionellen Fachgeschäfts mit der heutigen Zeit zu verbinden?
Indem wir konsequent bei uns bleiben. Wir setzen auf Qualität, auf klare Werte – und nicht auf Masse. Gleichzeitig sind wir offen für neue Materialien, Designs und Trends. Ich besuche regelmässig internationale Messen und halte Ausschau nach Innovationen, auch im Bereich Nachhaltigkeit. Für mich heisst Tradition nicht Stillstand, sondern Weiterentwicklung mit Haltung.
Was ist dir in der Zusammenarbeit mit deinem Team besonders wichtig?
Dass sich alle einbringen können – vom Lernenden bis zur Geschäftsleitung. Wir leben kurze Wege, offene Türen und eine familiäre Atmosphäre. Ich will, dass man morgens gerne zur Arbeit kommt und sich auf die Kolleginnen und Kollegen freut. Nur so entsteht echte Qualität.
Zurück zu den Brillen: Sie sind längst mehr als eine Sehhilfe. Was sind aktuell die grössten Trends?
Bei Korrekturbrillen sieht man gerade viele transparente Materialien und sehr markante Fassungen. Bei Sonnenbrillen sind es die Extreme: von schmal und schlitzförmig bis übergross. Es wechselt schnell – und je nach Region auch unterschiedlich.
Wie gehst du bei der Beratung vor? Entscheidet das Bauchgefühl – oder sind Gesichtsform und Farben massgebend?
Im Zentrum steht immer das Bedürfnis der Kundin oder des Kunden. Was ist ihr wichtig? Was möchte er ausstrahlen? Natürlich spielen fachliche Aspekte wie Form, Gewicht, Material oder auch Allergien eine Rolle. Aber die Kunst ist es, das alles so zusammenzubringen, dass es sich für die Person richtig anfühlt – und am Ende stimmig aussieht.
Hast du eine Lieblingsmarke? Oder ein Brillendesign, das dich immer wieder begeistert?
Ja, meine absolute Lieblingsmarke ist Marcus Marienfeld aus dem Wallis. Ein Goldschmied, der seit über 30 Jahren handgefertigte Brillen macht – aus Titan, Carbon, Naturhorn oder sogar Gold. Wunderschön in der Formensprache, hochwertig, schlicht und trotzdem bezahlbar. Ich trage sie selbst mit grosser Freude.
Wie viele Brillen besitzt du eigentlich selbst – und wechselst du je nach Stimmung oder Outfit?
Ich habe etwa 20 bis 25 Brillen. Je nach Tag und Gefühl wähle ich aus: Mal darf es etwas Dezentes sein, mal etwas Markantes. Es hängt vom Outfit ab, von der Stimmung, vom Anlass. Brillen sind für mich wie Schuhe – man hat auch nicht nur ein Paar im Schrank.
Beobachtest du Menschen auf der Strasse mit dem typischen «Optikerblick»?
Absolut. Ich schaue den Menschen ins Gesicht – das macht man ja automatisch, wenn man mit jemandem spricht. Und da fällt einem sofort auf, wenn eine Brille nicht zur Person passt. Umgekehrt finde ich es toll, wenn jemand eine wirklich stimmige Brille trägt. Dann sage ich auch mal spontan: «Wow, tolle Brille!» – ohne zu verraten, was ich beruflich mache.
Und wenn du im Restaurant sitzt und jemand trägt eine unpassende Brille – kannst du dich dann noch auf dein Essen konzentrieren?
(Lacht.) Ja, das geht schon. Aber wenn etwas wirklich störend wirkt, fällt es mir auf. Noch öfter passiert es aber, dass ich eine besonders schöne Brille sehe – das freut mich dann richtig.
Kleine Spassfrage: Wenn deine Brille dir eine Superkraft verleihen könnte – welche wäre das?
Die wichtigste Superkraft ist für mich der klare Durchblick – im doppelten Sinn. Es gibt zwar heute schon Brillen mit Head-up-Display, ChatGPT-Funktion, Übersetzer und so weiter. Technikfreaks lieben das – und ja, die gibt’s auch bei uns. Aber für mich persönlich ist die grösste Kraft das, was zwischen zwei Menschen entsteht, wenn der Blick frei ist.
Werden solche Hightech-Brillen bei euch tatsächlich nachgefragt?
Ja, hin und wieder. Vor allem von technikbegeisterten Kunden. Sie lassen sich sogar mit Sehstärke anpassen – und machen echt Spass. Aber sie bleiben ein Nischenprodukt.
Was wünschst du dir für die Zukunft – für dich selbst und für Kost & Brechbühl?
Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder mehr auf Qualität achten. Dass Nachhaltigkeit nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt wird – etwa indem man nicht ständig online Billigprodukte aus Übersee bestellt. Und für Kost & Brechbühl wünsche ich mir, dass wir unseren Weg weitergehen dürfen: ehrlich, leidenschaftlich, fachlich stark – und immer auf Augenhöhe mit unseren Kundinnen und Kunden.
Zum Schluss: Was gibst du deinen Kundinnen und Kunden mit auf den Weg, wenn sie mit einer neuen Brille das Geschäft verlassen?
Ein grosses Dankeschön – und die Hoffnung, dass sie sich mit ihrer neuen Brille rundum wohlfühlen. Und dass sie gerne erzählen, woher sie sie haben.

