Laut einer neuen Studie gehören Schulschliessungen zu den effektivsten einzelnen Massnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Es heisst, Kinder seien an Schulen und im Kindergarten dem Virus total ausgeliefert und tragen es nach Hause in die Familien. Wann handelt der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf?

Eine Recherche der Zeitung Tagesanzeiger, welche die angesehene Genfer Epidemiologin Olivia Keiser zitiert, zeigt: Gemäss der neuen Studie können Schulschliessungen den R-Wert um 15 Prozent senken, ein Verbot von Grossveranstaltungen um 24 Prozent, die Homeoffice-Pflicht um 13 Prozent. Wie die Forscher der University of Edinburgh im Fachblatt «The Lancet Infectious Diseases» schreiben, würden die Massnahmen aber jeweils erst nach einer bis drei Wochen wirken.

Aerosole: Schulzimmer ein gefährlicher Ort

Epidemiologin Olivia Keiser warnt im Interview mit dem Tagesanzeiger: «Wir müssen sofort die Maskenpflicht in den Schulen einführen, auch bei Primarschülern. Ich sehe keine andere Lösung.» Auch verschiedene asiatische Länder würden das so handhaben. Auch gute Lüftungskonzepte brauche es an den Schulen, um das Ansteckungsrisiko via Aerosole zu minimieren. Keiser weiter: «Ich weiss nicht, ob eine generelle Maskenpflicht an Schulen überhaupt noch reicht. Oder ob nicht doch teilweise Schulschliessungen nötig wären.»

So ansteckend sind Kinder

Bislang beobachtet man, dass Kinder, vor allem unter zehn Jahren, offenbar seltener an der vom Coronavirus übertragenen Krankheit Covid-19 erkranken oder sehr milde bzw. kaum Symptome zeigen. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht trotzdem mit dem Virus infiziert sein könnten oder es sogar verbreiten.

Der Berliner Virologe Christian Drosten sieht in seiner Studie zur Infektiosität von Kindern keinerlei Hinweise darauf, dass Kinder in Bezug auf Sars-CoV-2 nicht genauso infektiös seien wie Erwachsene. Zu einer Öffnung von Kitas und Schulen heisst es in seiner Studie: «Die uneingeschränkte Öffnung dieser Einrichtungen sollte sorgfältig mit Hilfe von vorbeugenden diagnostischen Tests überwacht werden.»