David Tassi war zu Gast bei Radio Lozärn. Er ist kein Mann, der lange um den heissen Brei redet. Als Geschäftsführer der ICT-Berufsbildung Zentralschweiz spricht er mit Leidenschaft über das, was ihn antreibt: jungen Menschen möglichst praxisnah und zeitgemäss einen Weg in die digitale Berufswelt zu ebnen.
In der Zentralschweiz übernimmt seine Organisation eine doppelte Rolle: Einerseits fungiert sie als regionales ODA (Organisation der Arbeitswelt), andererseits betreibt sie das ÜK-Zentrum, also jenes Ausbildungszentrum, in dem Auszubildende der ICT-Berufe zusätzliche Fähigkeiten erlernen, die über den Schulstoff hinausgehen.
«Unsere Aufgabe ist nicht nur Bildung, sondern echte Berufsorientierung», sagt Tassi. Und das zeigt sich besonders in den sogenannten überbetrieblichen Kursen. Diese sind Pflicht für alle ICT-Lehrlinge in Luzern, Ob- und Nidwalden. Und sie sind alles andere als trockene Theorie.
Üben, was später zählt
Ob Programmierung, Social Media, Videoproduktion oder Bildbearbeitung: In den Kursen wird angepackt. Lernende arbeiten an realitätsnahen Projekten, statt nur Theorie zu büffeln. Dazu kommt ein besonderes Format: das Basissemester. Hier werden Auszubildende im ersten Lehrjahr gezielt auf die Berufswelt vorbereitet. Und das mit Erfolg: Rund 44 Jugendliche starten jedes Jahr über diesen Weg.
«Der Einstieg in den Berufsalltag wird damit deutlich erleichtert, für die Jugendlichen, aber auch für die Betriebe», erklärt Tassi. Denn durch das Basissemester bringen die jungen Männer und Frauen bereits wichtige Grundlagen mit, wenn sie im Betrieb loslegen. Ein klarer Vorteil angesichts des Fachkräftemangels, der die Branche stark beschäftigt.
Mehr als nur Informatik
Die ICT-Berufsbildung begleitet junge Menschen in verschiedenste Berufsbilder: Informatik-Fachrichtungen wie Applikationsentwicklung oder Plattformentwicklung, Mediamatik EFZ, Fachfrau/Fachmann ICT und neu auch im Beruf «Entwickler/in Digitales Business EFZ», der besonders auf die Bedürfnisse der Generation Z zugeschnitten ist.
Doch was bedeutet das konkret? «Wir sprechen hier über ein Berufsfeld, das weit über das klassische Bild des IT-Nerds im Hoodie hinausgeht», so Tassi. Kreativität, Kommunikation und Teamarbeit sind heute ebenso gefragt wie technisches Know-how. Besonders sichtbar wird das bei Wettbewerben wie den Swiss Skills, wo junge ICT-Talente aus der ganzen Schweiz ihr Können zeigen. Das oft auf beeindruckendem Niveau.
Talente fördern, Perspektiven schaffen
Neben der klassischen Ausbildung setzt Tassis Team auch auf neue Formate, wie den Lehrbetriebsverbund, über den Lehrlinge temporär angestellt und an unterschiedliche Betriebe vermittelt werden. So bekommen auch Organisationen aus weniger IT-nahen Bereichen, wie Schulen oder Verwaltungen, Zugang zu motivierten ICT-Lernenden. Besonders in der Mediamatik eröffnen sich so spannende Karrierewege, von Social Media über Videoproduktion bis hin zur Selbständigkeit.
Ein kleiner Wermutstropfen: Der für dieses Jahr geplante «Young Talents Hackathon» musste aufgrund geringer Anmeldungen und fehlender Sponsoren abgesagt werden. Das war ein Rückschlag für ein Format, das eigentlich enormes Potenzial hätte. «Wir hoffen auf neue Partner im nächsten Jahr», sagt Tassi und macht gleichzeitig Mut: «Die Branche verändert sich rasant. Aber mit den richtigen Angeboten und viel Herzblut können wir junge Menschen für diese Zukunft begeistern.»

