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Gaming im Fokus: So entwickelt sich der Schweizer Markt

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Gaming in der Schweiz

In der Schweiz wird gerne gespielt. Laut einer aktuellen Studie, die in den „Gaming Atlas Schweiz 2021“ eingeflossen ist, behaupten fast 45 Prozent der Bevölkerung von sich selbst, regelmässig Videospiele zu spielen. Regelmässig bedeutet dabei mindestens fünf Stunden pro Woche. Mehr als 25 Prozent der Schweizer sollen dem Gaming Atlas zufolge sogar bis zu 30 Stunden pro Woche mit ihrem digitalen Hobby verbringen. Zwar weiss die Bevölkerung auch das analoge Leben nach wie vor zu schätzen, die Tatsache lässt sich dennoch nicht ignorieren, dass das Interesse am Gaming wächst und in weiten Teilen des Alltags angekommen ist.

In engem Zusammenhang mit dieser Entwicklung stehen neue Trends im iGaming, einem der am stärksten wachsenden Bereiche der Gamingbranche. Hier hat der technologische Fortschritt im Laufe der Jahrzehnte einen gravierenden Wandel mit sich gebracht, der das Gamingverhalten im Alltag stark prägt. Aber auch auf den Gamingmarkt und seine Protagonisten haben technologische Innovationen und die damit einhergehende neue Generation von Gamern nachhaltigen Einfluss ausgeübt. In der Schweizer iGaming-Branche hat es in den Jahren 2020 und 2021 messbare Entwicklungen gegeben, Branchenexperten zufolge den Markt langfristig verändern werden.

Online Casinos erleben starken Aufschwung

Zu den Hauptakteuren, die die Veränderungen im iGaming weltweit und in der Schweiz vorantreiben, gehören die Online Casinos. Die digitale Alternative zu den niedergelassenen Spielbanken erleben seit Jahren einen globalen Aufschwung. Seit Online Casinos zum 01. Januar 2019 in der Schweiz legal wurden, haben sie auch hierzulande die Entwicklung des iGaming-Marktes stark geprägt. Seriöse Online Casinos in der Schweiz dürfen seit diesem Stichtag ihr Angebot mit einer offiziellen staatlichen Lizenz zur Verfügung stellen. Renommierte Anbieter zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie mit seriösen und namhaften Software-Entwicklerstudios wie Microgaming, NetEnt oder Novomatic zusammenarbeiten.

Das wachsende Interesse an digitaler Freizeitgestaltung und am iGaming im Besonderen hat auch für Glücksspielanbieter ein neues Zeitalter eingeläutet. Vor den Jahren 2020 und 2021 öffneten die grossen Häuser wie die Swiss Casinos, das Grand Casino Baden oder das Casino Davos jährlich ihre Pforten für fast 5 Millionen Menschen. Mit der Entwicklung modernster Technologien im Bereich des Virtual Entertainment scheint sich die Branche aber immer stärker in die digitale Welt zu verlagern. Inzwischen haben die landbasierten Spielbanken erfolgreich eine Lizenz der Eidgenössischen Spielbankenkommission erworben und ihr Angebot um eigene Online Casinos erweitert.

Der starke Aufschwung, den der digitale Glücksspielmarkt erlebt, schein mehr zu sein, als ein kurzlebiger Trend, sondern die iGaming-Branche nachhaltig mitzugestalten.

Konsole verliert Marktposition an Mobile Gaming

Eine weitere zentrale Entwicklung im Gaming in der Schweiz und der ganzen Welt ist die wachsende Marktposition des Mobile Gaming. Mobile Endgeräte wie Smartphone und Tablet sind zur beliebtesten Gaming-Plattform avanciert und haben der Spielekonsole den Rang abgelaufen. Das ergab die Erhebung zum „Gaming Atlas Schweiz 2021“ von Jung von Matt. Demnach bevorzugen 83% der Gamer:innen das Smartphone als Gaming-Plattform. Auch das Tablet steht mit 56 % hoch im Kurs. Der PC 63% immerhin den zweiten Platz der beliebtesten Gaming-Plattformen. Die Konsole verliert dagegen stark an Marktposition. Die am häufigsten genutzte Konsole ist der Erhebung zufolge immer noch die PS4, gefolgt von Nintendo und Nintendo Switch.

Im Hinblick auf die Spieleauswahl hat der Gaming Atlas Schweiz 2021 ergeben, dass Retro im Trend liegt. Die meisten Schweizer*innen greifen lieber zu beliebten Spieletiteln aus den 90ern und 00ern als zu den aktuellen Spieleentwicklungen. Zu den beliebtesten Games gehören laut der Erhebung Mario Kart, Candy Crush, FIFA, Sims oder Pokémon, die auch vor 20 oder 30 Jahren schon im Trend lagen.

Eine erfreuliche Erkenntnis, die der Gaming Atlas ergeben hat, ist die Tatsache, dass Gamer in der Schweiz gleichzeitig ein grosses Interesse an sportlichen Aktivitäten zeigen und in grossem Umfang selbst sportlich aktiv sind. Hier begünstigen die landschaftlichen Schönheiten der Schweiz das Freizeitverhalten, denn zu den beliebtesten Sportarten gehören vor allem Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Joggen. Auch Schwimmen zählt zu den Favoriten der Schweizer*innen.

Der „Gaming Atlas Schweiz 2021“ basiert auf einer repräsentativen Studie, die das Markforschungsinstitut Insightful in Zusammenarbeit mit Jung von Matt LIMMAT (CH), Jung von Matt NERD (DE) und Ovomaltine umgesetzt hat. Befragt wurden 2.000 Schweizer*innen in der Altersgruppe über 16. Thema der Befragung war das Freizeitverhalten mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Gaminggewohnheiten. Grundlegend bezeichneten sich 878 der Befragten selbst als Gamer*innen. 365 von ihnen gaben sogar an, sich als kompetitive Gamer*innen zu betrachten mit einem Schwerpunkt auf der Teilnahme an Turnieren und Kontakten zur eSports-Szene.

Gaming ist kein Nischenmarkt mehr

Dass der Gaming-Markt längst kein Nischenphänomen mehr ist, war schon vor der Veröffentlichung des aktuellen Gaming Atlas bekannt. Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Wirtschaftsfaktor entwickelt. Mit der wachsenden Verbreitung im Alltag sind digitale Freizeitaktivitäten zu einem Thema geworden, das für breite Teile der Bevölkerung von Interesse ist.

Von einem eher unbekannten Hobby für eine eng begrenzte Zielgruppe hat sich Gaming in all seinen Facetten zu einem Mainstreamthema entwickelt. Der Grund dafür liegt unter anderem in einer wachsenden technischen Affinität innerhalb der Bevölkerung. Die Generationen der Digital Natives, denen sowohl das Interesse an moderner Technologie als auch die Fähigkeit zum kompetenten Umgang mit technischen Produkten und Services in die Wiege gelegt wird, macht heute einen grösseren Teil der Bevölkerung aus als noch vor 20 Jahren.

Technische Möglichkeiten und digitale Alternativen sind zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Vor diesem Hintergrund ist es eine logische Konsequenz, dass auch der Freizeitbereich immer stärker in der digitalen Welt verankert ist und auch Sektoren wie das iGaming ihren Nischenplatz endgültig verlassen dürfen.

Markt muss den neuen Gamer akzeptieren

Fast die Hälfte der Schweizer*innen bezeichnet sich als Gamer*in. Das liegt daran, dass sich auch das Bild des Gamers / der Gamerin gewandelt hat. Der Gaming Atlas zeigt, dass Gaming in breiten Teilen der Bevölkerung angekommen und nicht mehr auf eng gefasste Zielgruppen beschränkt ist. „Es zeigt, dass dieses Klischee des männlichen Gamers, der im Keller zwischen leeren PET-Flaschen sitzt, mit Chipsflecken auf dem Shirt, schon lange nicht mehr Realität ist“, sagt Jonas Bayona, Gamingexperte in der Agentur Jung von Matt Nerd, im Gespräch mit persoenlich.com. „Ganz viele Menschen spielen mittlerweile Videospiele. Das Bild der Gaming-Community hat sich massiv positiv verändert. Das ist der Kern dieser Studie: Gamerinnen und Gamer sind Menschen wie Sie und ich, einfach mit einem gewissen Mindset zu Humor, Geschichten mit Tempo und natürlich zu spielerischen Ansätzen.“

Auffällig sei den Experten zufolge aber auch, dass der Markt das veränderte Bild und die neuen Anforderungen der breiteren Zielgruppe noch nicht akzeptiert habe. „Es überrascht, dass viele Brands dieses Thema komplett ignorieren“, kommentiert Cyrill Hauser die Ergebnisse der Erhebung. „Jene Marken, die sich im Feld bewegen, sind oft endemische Brands wie Logitech oder Asus. Das sind vergebene Chancen. Denn Gaming ist ein Massenmarkt.“

Für einen breiteren Erfolg, da sind sich die Branchenexperten einig, muss der Markt mehr Interesse für die neuen User entwickeln, ihre Vielschichtigkeit akzeptieren und Produktentwicklungen an den sich stark verändernden Markt anpassen. Es sei vor allem wichtig, User*innen mit ihren Interessen, den für sie relevanten Themen und ihren Erwartungen an das Leben, insbesondere an die Freizeitgestaltung, zu verstehen und zu respektieren. „Für eine gute Gamingidee braucht es Respekt vor dieser Community“, erklärt Jonas Bayona und macht den Protagonisten des Gamingmarktes damit deutlich, dass neue Zeiten auch neue Herangehensweisen erfordern.

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