Gregory Knie
Gregory Knie ist alles andere als ein typischer Zirkusdirektor – vielmehr erinnert er an einen Rockstar. Seine Shows «Ohlala» und «Salto» ziehen Jahr für Jahr ein grosses Publikum aus der ganzen Schweiz an. Beide Produktionen sind einzigartig: «Ohlala» ist speziell für Erwachsene konzipiert und besticht mit «verführerischen Elementen», wie auf der Website beschrieben. Auch «Salto» bietet ein Erlebnis, das weit über eine klassische Zirkusvorstellung hinausgeht. Wir wollten von Gregory Knie wissen, was ihn antreibt und wie sich seine Shows stetig weiterentwickeln.
Interview: Ronnie Hürlimann
Gregory, wie hat sich deine persönliche Vision für «Salto» und «Ohlala» über die Jahre entwickelt? Was reizt dich aktuell am meisten daran, deine Shows weiterzuentwickeln?
Für mich ist das entscheidende Wort «Entwicklung». Das Neu- und Weiterentwickeln von Ideen und Konzepten hat mich von Anfang an fasziniert und tut es bis heute. Jedes Jahr bringt neue Herausforderungen und die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Es ist aufregend, immer wieder frischen Wind in die Shows zu bringen! Künstler:innen zu buchen ist einer der vielen Teile des Prozesses, und wer unsere erste Show gesehen hat, wird sofort erkennen, wie viel sich verändert hat. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel die Gastronomie-Show eingeführt, die eine kulinarische Erfahrung bietet. Das alles macht meine Arbeit so spannend!

Zirkus fasziniert und polarisiert zugleich. Welche Reaktionen aus dem Publikum sind dir besonders wichtig, und wie beeinflussen diese dein Schaffen?
Es ist uns wichtig, dass unser Publikum berührt wird, egal ob durch Lachen oder Tränen bei emotionalen Momenten. Das Polarisieren gehört manchmal dazu. Wir machen Entertainment für Menschen und müssen dabei sensibel sein, gleichzeitig aber auch auf unseren Instinkt hören. Ein bisschen Risiko ist immer dabei – schliesslich weiss man nie, wie das Publikum reagieren wird. Wir überlegen uns sehr genau, wie wir Emotionen transportieren können, denn das ist es, was wirklich zählt.
In Zeiten digitaler Unterhaltung – welche Herausforderungen siehst du darin, die Live-Erfahrung für neue Generationen wieder spannend zu machen?
Digitales Entertainment hat seinen Reiz, aber die Live-Erfahrung ist einfach unvergleichlich. Ich bin da vielleicht etwas voreingenommen, aber es gibt nichts, was das Gefühl ersetzen kann, eine:n Künstler:in live zu erleben. Man spürt die Energie, die Verbindung – das ist einfach anders. Ich glaube, dass die ultimative Erfahrung immer live sein wird, weshalb die Menschen bei Musiker:innen nach wie vor zu Konzerten gehen und nicht nur ihre Musik online hören.
Für deine Shows ziehst du Talente und Stile aus der ganzen Welt zusammen. Was inspiriert dich, und welche künstlerischen Trends interessieren dich heute besonders?
Inspiration kommt aus vielen Quellen: neue Trends, Techniken, Interpretationen von Kunst und Musik. Ich lasse mich auch von meinen Reisen und Gesprächen mit Künstler:innen oder anderen Personen aus der Branche inspirieren. Es ist spannend, die unterschiedlichen Ansätze und Perspektiven zu entdecken und sie in unsere Shows einzubringen.
In «Ohlala» und «Salto» setzt du Akzente mit Musik und ausgefeiltem Bühnenbild. Auch Erotik gehört dazu. Wie schaffst du es, dass jede Show einzigartig bleibt?
Ein gutes Kreativteam ist der Schlüssel! Mein wunderbares Team bringt immer frische Ideen und Inputs ein. Wir sind offen für Neues und versuchen, die Zuschauer:innen mit jeder Show zu überraschen. Wenn etwas im Vorjahr gut angekommen ist, machen wir es nicht einfach nochmal ein bisschen anders, sondern überlegen uns, wie wir es ganz anders umsetzen können. Schliesslich sind die Erwartungen des Publikums hoch, und sie wollen immer wieder etwas Neues erleben.
Was bedeutet Zirkus für dich heute, und wie unterscheidet sich dein Ansatz von den klassischen Vorstellungen?
Wir haben keine Tiere ein und möchten die Geschichten auf verschiedenen Ebenen erzählen. Für mich ist Zirkus heute eine Kunstform, die Geschichten erzählt und sich um die Künstler:innen herum entfaltet. Storytelling entwickelt sich ständig weiter, und es ist wichtig, dies elegant und verständlich zu tun. Es ist ein dynamischer Prozess, der mit vielen Selbstzweifeln verbunden ist, aber genau das macht es spannend. Der klassische Zirkus war in seinen Anfangsjahren auch nicht «der klassische Zirkus» sondern auch innovativ – das ist das Schöne daran, dass es auch nach zahlreichen Jahren immer noch funktioniert!

Wie gehst du mit der Balance zwischen kommerziellem Erfolg und künstlerischem Ausdruck um, besonders im Vergleich zu traditionelleren Zirkuskonzepten?
Wir vergleichen uns nicht mit traditionellen Zirkuskonzepten, sondern schauen, was uns und unserem Publikum gefällt. Der traditionelle Zirkus inspiriert mich nach wie vor und bietet mir Anhaltspunkte. Für uns ist es wichtig, ein Gleichgewicht zwischen künstlerischem Ausdruck und den Erwartungen des Publikums zu finden.
Was sind derzeit deine grössten Herausforderungen als kreativer Leiter und Unternehmer im Zirkusbereich?
Eine der grössten Herausforderungen sind die Genehmigungen. Es ist manchmal frustrierend, mit den Behörden zu kämpfen. Jedes Jahr ist ein neuer Kampf, aber ich sehe das auch als Teil der Herausforderung, die mich antreibt.
Der Winterzirkus «Salto» ist gerade im Gange. Was dürfen die Zuschauer Besonderes erwarten?
«Salto» ist ein winterliches Erlebnis, das im festlichen Chapiteau eine magische Atmosphäre voller Emotionen schafft. Im Mittelpunkt steht Lumina, ein Licht, das die Dunkelheit durchbricht. Die Show kombiniert beeindruckende Artistik internationaler Künstler:innen mit einer einzigartigen Mischung aus Licht und Klang. Atemberaubende Akrobatik und kreative Performances werden von der mitreissenden Musik von Fabienne Louves und der Salto-Band begleitet. «Salto» bietet eine immersive Erfahrung, die es den Zuschauer:innen ermöglicht, in die Fantasie einzutauchen und die Kraft von Licht und Musik hautnah zu erleben.
Besuchen Sie den Winterzirkus Salto vom 23. November bis 31. Dezember!

Zum Schluss: Wie entwickelst du dich als Künstler und Direktor weiter, und was wünschst du dir für die Zukunft deiner Arbeit?
Ich wünsche mir, dass sich die Vielfalt in unserem Bereich weiterentwickelt und dass wir den Mut haben, Neues zu wagen. Live-Entertainment sollte immer weitergeführt werden, denn es ist eine der wertvollsten Formen der Kunst, die es gibt.


