Erholung von der Arbeit und guter Schlaf sind essentielle Faktoren, um in der Arbeitswelt leistungsfähig zu sein. Unter dem Titel «Rastlose Gesellschaft. Arbeit und Freizeit – wo bleibt die Erholung?» verfolgten rund 450 Teilnehmende die 11. KMU-Tagung zur betrieblichen Gesundheitsförderung in Luzern.

Experten zeigten auf, weshalb genügend Schlaf wichtig ist, um leistungsfähig zu sein und wie die Unternehmen ihre Mitarbeitenden sensibilisieren können. Erstmals fand die Veranstaltung online statt.

Die Veranstalter v.l.n.r: Rolf Born, Leiter WAS IV Luzern, Jean-Claude Messerli, Abteilungsleiter Präventionsberatung Suva, Regierungsrat Guido Graf, Adrian Derungs, Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ.

Zur KMU-Tagung der betrieblichen Gesundheitsförderung eingeladen haben die Dienststelle Gesundheit und Sport, die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, die SUVA sowie WAS IV Luzern. Mit mehr als 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat die KMU-Tagung eine Rekordbeteiligung verzeichnet. In seinem Grusswort bedankte sich Regierungsrat Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements, bei den Unternehmen für ihr Engagement zum Wohle ihrer Mitarbeitenden.

Regierungsrat Guido Graf appelliert

«Die betriebliche Gesundheitsförderung ist Bestandteil einer modernen Unternehmensstrategie und einer zeitgemässen Unternehmenskultur.» Besonders in Krisenzeiten sei es wichtig, zum Wohle der Mitarbeitenden zu schauen. Die Pandemie habe die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt, sagte Graf. Einige Betriebe hätten deutlich mehr Arbeit gehabt, andere wiederum leere Auftragsbücher. Auch das Home Office habe die Unternehmen und die Personalführung gefordert. Die Ausnahmesituation der vergangenen Monate habe deutlich aufgezeigt, dass die betriebliche Gesundheitsförderung ein wichtiges Element der Unternehmensführung sei.

Guter Schlaf als Pfeiler für ein gesundes Leben

Unter dem Titel «Arbeiten Sie nur, oder schlafen Sie auch?» führte Prof. em. Dr. phil. Theo Wehner, Arbeits- & Organisationspsychologe der ETH Zürich, aus, dass genügend und guter Schlaf ein wichtiger Pfeiler eines gesunden Lebens ist. Im Durchschnitt würden die Menschen heute weniger lang schlafen als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Langfristig habe dies negative Folgen auf die Gesundheit und schade letztlich der Wirtschaft, warnt Prof. Wehner.

«Die unausgeschlafene Arbeitsgesellschaft produziert immer mehr Schlafprobleme und –störungen, wobei ich die These vertrete, dass Schlafstörungen auf ein gestörtes Wachsein verweisen und demzufolge eigentlich Wachheitsstörungen sind.» Überarbeitung oder Probleme im Alltag führten zu weniger Schlaf. Wer zu wenig schläft, ist weniger konzentriert und die Fehlerquote steigt. Obwohl Schlafstörungen zu Arbeitsunfähigkeit führen könnten, sei das Thema bei Führungskräften in Unternehmen kaum präsent, so Theo Wehner.

Wichtige Gehirnaktivität im Schlaf

Was im Körper passiert, während wir schlafen, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung von Dr. med. Werner Karrer, Konsiliararzt Pneumologie Kantonsspital Nidwalden und ehemaliger Chefarzt der Luzerner Höhenklinik Montana. «Schlaf ist lebensnotwendig. Ohne genügenden und genügend erholsamen Schlaf sind wir nicht leistungsfähig und es können sich körperliche und psychische Störungen zeigen», führte er in seinem Referat aus.

Pro 24 Stunden benötige der Mensch eine Schlafdauer von sieben bis acht Stunden. Dabei ist das Gehirn aktiv. «In den verschiedenen Schlafstadien werden die tagsüber gemachten Erfahrungen verarbeitet. Erholsamer Schlaf bedeutet also für unseren Körper sowohl Erholung wie auch aktive Gehirnprozesse.»

Work-Life-Balance ist Arbeiten auf Kosten von Leben

Warum wir keine Work-Life-Balance brauchen, erklärte in ihrem Referat Karin Frick, Forschungsleiterin des Gottlieb Duttweiler Instituts GDI. «Mit Work-Life-Balance-Initiativen werden oft nur Symptome behandelt, ohne dass man an den Lebens- und Arbeitsbedingungen etwas verändert», sagte Frick.

Als Beispiel nannte sie eine Aktion des US-Riesen Amazon, der seinen Mitarbeitenden in den Verteilzentren zur Erholung «Meditationsboxen» zur Verfügung stellt. Gleichzeitig schuften die Menschen zu Minimallöhnen und sind total überwacht. Frick wirft die Frage auf, ob «Balance» überhaupt erstrebenswert sei. «Diese Betrachtungsweise suggeriert ein Nullsummenspiel in einem statistischen Umfeld, in dem Arbeiten auf Kosten des Lebens geht oder umgekehrt.»