Der Stadtrat will die Villa Auf Musegg 1 und die dazugehörige Remise sanieren, um sie für Wohnzwecke zu vermieten und das Erdgeschoss öffentlich zugänglich zu machen. Für die Planung eines Vor- und Bauprojekts beantragt er einen Sonderkredit von 0,72 Mio. Franken. Der Grosse Stadtrat wird voraussichtlich am 20. Mai 2021 über den Kredit entscheiden.

Die Villa Auf Musegg 1 ist eine 1867 erbaute, schlossartige Villa in der Luzerner Altstadt. Sie liegt unterhalb der Museggmauer zwischen Wachtturm und Zytturm. Seit 1965 gehören die Villa, die dazugehörige Remise und die weitläufige Parkanlage der Stadt Luzern. Die Stadt nutzte die Villa zuerst als Kindergärtnerinnenseminar und vermietete die Räume von 1997 bis 2011 an den Kanton Luzern. Seit 2011 werden das Erdgeschoss und einige Nebenräume durch die Volksschule genutzt.

Verschiedene Räume sind an Kunstschaffende vermietet. Das Hauptgebäude ist im kantonalen Bauinventar als schützenswert verzeichnet. Die Remise ist als erhaltenswert eingestuft. Die Parkanlage mit ihrem alten Baumbestand ist in der Liste der historischen Gärten und Anlagen der Schweiz des Internationalen Rates für Denkmäler und historische Stätten (ICOMOS) aufgeführt. Die Anlage ist umgeben von Natursteinmauern mit hohem denkmalpflegerischem Wert.

Begegnungsort

Die Villa und die Remise sind stark sanierungsbedürftig. Sie erfüllen die energetischen Anforderungen nicht. An verschiedenen Stellen zeigen sich Verwitterungsschäden. Die Elektroinstallationen entsprechen nicht den heutigen Vorschriften. Zudem ist die Remise von Schimmel befallen. Der Stadtrat will das Bijou in der Luzerner Altstadt zu neuem Leben erwecken. Das Erdgeschoss mit den zwei grossen Räumen und der gedeckten Terrasse, die eine hervorragende Aussicht auf die Stadt, den See und die Umgebung bietet, soll öffentlich zugänglich gemacht werden.

Vorgesehen sind ein Informationsbereich zur Museggmauer und zum Quartier Luegisland sowie eine einfache gastronomische Infrastruktur wie zum Beispiel ein Tagescafé. Auch kleine Veranstaltungen, Quartieranlässe oder Ausstellungen sollen möglich sein. Wichtig ist dem Stadtrat, dass diese öffentlichen Nutzungen quartierverträglich sind. Entstehen soll ein Ort, der im Zeichen der Begegnung steht – der Begegnung zwischen den Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohnern und der Stadtbevölkerung, den Touristinnen und Touristen sowie den Besucherinnen und Besuchern der Museggmauer.

Zwei 3,5-Zimmer-Geschosswohnungen

Im Obergeschoss und Dachgeschoss entstehen zwei 3,5-Zimmer-Geschosswohnungen mit je 100 bis 120 Quadratmetern. Der Aussenraum wird nach den Grundsätzen von Grünstadt Schweiz gestaltet und soll in Kombination mit dem angrenzenden Museggpärkli zu einem einladenden Aufenthaltsort werden. Der Stadtrat will, dass die Gebäude die hohen energetischen Anforderungen gemäss Gebäudestandard 2019.1 erfüllen sowie hindernisfrei zugänglich und nutzbar sind.

Geplante Eröffnung: Herbst 2024

Der Stadtrat ist vom Nutzungsmix überzeugt und geht die Projektierung in engem Austausch mit der kantonalen Denkmalpflege und unter Einbezug der Direktbetroffenen an. Für die Planung eines Vor- und Bauprojekts beantragt er beim Grossen Stadtrat einen Sonderkredit von 0,72 Mio. Franken. Die Investitionen werden aus heutiger Sicht auf rund 7,3 Mio. Franken geschätzt. Ziel ist, mit den Bauarbeiten im Herbst 2023 zu starten, damit die sanierte Villa, die Remise und der aufgewertete Park ab Herbst 2024 genutzt werden können.

Regional, nachhaltig, vegetarisch

Bis zur Gesamtsanierung will der Stadtrat im Aussenbereich der Villa eine Zwischennutzung mit einer mobilen Buvette ermöglichen. Der Stadtrat hat den Zuschlag Sarah Lämmli und Younes El Kinani gegeben. Sie betreiben seit September 2019 das Restaurant Majorelle im Himmelrich in Luzern. Das gastronomische Konzept der beiden setzt auf ein Gartencafé mit regionalem und nachhaltigem, vegetarischem Angebot. Die offizielle Eröffnung der mobilen Buvette «Bistro mes amis» war auf April 2021 geplant. Aufgrund von Einsprachen zum Baugesuch sowie wegen des Coronavirus ist noch unklar, ob und wann die Buvette ihren Betrieb aufnehmen kann. Die Erfahrungen aus der Zwischennutzung sollen in die Überlegungen zum Betrieb des gastronomischen Angebots im Rahmen der definitiven Nutzung einfliessen.