Als einzige Person in der Geschichte des Schweizer Finanzplatzes hielt Oswald Grübel den höchsten Führungsposten beider Schweizer Grossbanken inne – vor der Finanzkrise stand Grübel bis 2007 als CEO an der Spitze der Credit Suisse, bis der Bankmanager ein Jahr nach der Krise 2009 aus seinem Ruhestand befördert wurde, um der UBS als Konzernchef zu dienen. Im Interview mit TCS MyMed teilt Oswald Grübel sein Fazit zum Ernst der aktuellen Lage.

Seine Aussagen haben Gewicht: Grübel war CEO der Credit Suisse und der UBS. Bild: Screenshot Cash TV.

Radio Lozärn bietet einen exklusiven Ausschnitt:

Zum Schutze der Infrastruktur im Gesundheitssystem hat der Bundesrat im März weitreichende Massnahmen zur Beschränkung des öffentlichen Lebens getroffen. Auch Sie gehören altersbedingt zu einer Risikogruppe. Wie stehen Sie privat und aus Sicht eines erfahrenen Wirtschaftsmanagers zu den getroffenen Massnahmen?
Ich finde es absolut richtig, dass sich Risikogruppen isolieren, ich würde sogar sagen, dass man damit viel früher hätte beginnen sollen. Einmal zum eigenen Schutz der Immungeschwächten und auch zum Schutz der Wirtschaft. In Staaten, wo die Risikogruppen sofort isoliert wurden, hat man die Verbreitung des Virus schon heute im Griff (Taiwan, Korea etc.). Das Ziel muss sein, strikte Massnahmen sofort zu erlassen, um so schnell wie möglich wieder arbeiten zu können.

Mittlerweile haben die Schweizer Banken Notkredite in Höhe von 20 Milliarden Schweizer Franken an betroffene Unternehmen ausbezahlt, die durch den Staat gedeckt sind und inzwischen auf 40 Milliarden Schweizer Franken aufgestockt wurden. Im Vergleich zur Finanzkrise 2008 wird dieses Mal nicht den Finanzinstituten geholfen, sondern die Finanzinstitute helfen der Bevölkerung. Worin unterscheidet sich die aktuelle gesundheitsbedingte Wirtschaftsrezession noch zur Finanzkrise im Jahr 2008?
Im Jahr 2008 hatten wir einen Vertrauensverlust in der Finanzbranche mit einer Liquiditätskrise und grossen Verlusten bei Banken und Versicherungen, die aber über die Zeit wieder ausgeglichen werden konnten. Heute müssen viele Betriebe schliessen oder Massnahmen ergreifen, die die Produktion von Dienstleistungen und Waren ganz oder teilweise einschränken. Diese Situation kann nicht gross ausgeweitet werden oder mehrere Monate bestehen, es würden Engpässe in der Versorgung der Bevölkerung entstehen und eine scharfe Rezession in der Wirtschaft zur Folge haben. Das würde zu noch grösseren Problemen führen. Zudem werden wir unser Verhalten beim Kauf von Dienstleistungen und Waren in Zukunft etwas ändern, weil wir misstrauisch geworden sind und gelernt haben mit weniger auszukommen.

Konkurse, Entlassungen, Kurzarbeit in Rekordhöhe, Milliardenkredite und -zuschüsse vom Bund. Zusammengefasst: Die Wirtschaft steckt in Schwierigkeiten. Zwar hat sich das Geschehen an den Aktienmärkten teilweise oberflächlich erholt, doch die Umsatzeinbussen bleiben. Welche Massnahmen braucht die Gesellschaft jetzt, damit sich keine langfristige Rezession einstellt?
Wir müssen uns strikt an die Verhaltensregeln vom Bund halten, um so schnell wie möglich wieder produzieren zu können, unser Wohlstand…

Lesen Sie hier das ganze Interview