Nach fast drei Jahrzehnten als Stimme von Radio Pilatus schlägt Andy Wolf ein neues Kapitel auf. Der beliebte Luzerner Radiomoderator hat den Sender verlassen und ist zu Radio Lozärn gewechselt. In einem offenen Gespräch erzählt er von seiner Liebe zum Radio, den Höhen und Tiefen seiner Karriere und warum er sich für den Wechsel entschieden hat.
Interview: Ronnie Hürlimann
Andy, wie lange bist du jetzt schon Radiomoderator?
Oh, da müssen wir zurückrechnen. Ich bin Anfang der 90er bei Radio Pilatus gestartet – ungefähr zu der Zeit, als DJ Bobo sein erstes Album «Dance with Me» aufgenommen hat.
Was begeistert dich am Radiomachen besonders? Welche Highlights gibt es für dich?
Ganz klar die Lebensfreude! In der Moderation kannst du eine positive Stimmung transportieren und die Menschen durch den Tag begleiten. Im Vergleich zur Redaktion hast du es nicht mit negativen News zu tun, sondern mit guter Musik und einer inspirierenden Atmosphäre. Radio ist sehr direkt – du bist buchstäblich bei den Hörerinnen und Hörern zu Hause, im Badezimmer, in der Küche oder im Auto. Wenn sie sich für deinen Sender entscheiden, wirst du fast ein Teil ihrer Familie. Diese Nähe ist unglaublich wertvoll und dafür bin ich dankbar.
Wie viel ist bei dir wirklich spontan und wie viel ist vorbereitet?
Früher war ich spontaner – und das hat man manchmal auch gemerkt, wenn die Satzstruktur nicht ganz gestimmt hat. Heute bereite ich mich bewusster vor. Natürlich bleibt ein Fenster für Spontanität, etwa bei Telefongesprächen. Aber insgesamt bin ich strukturierter geworden, auch weil ich Legastheniker bin und mir das hilft, meine Geschichten auf den Punkt zu bringen. Es soll sich spontan anhören, aber vieles ist durchdacht. Mein großes Vorbild Frank Baumann hat sich sogar „Ä“ und „Ö“ in seinen Skripten notiert, damit es natürlich klingt. Rudi Carrell sagte einmal: „Man kann nur aus dem Ärmel schütteln, was man vorher hineingetan hat.“ Das trifft es perfekt.
Ist Radiomoderator ein Traumjob?
Definitiv! Ich mache das jetzt seit 28 Jahren und liebe es noch immer. Es gibt kaum einen Beruf mit so viel Energie und Lebensfreude. Du berührst Menschen – auf eine andere Weise als ein Familienmitglied, aber du bist trotzdem ein Teil ihres Alltags. Aber es gibt auch eine Kehrseite: Am Ende des Tages hast du nichts Greifbares. Wer handwerklich arbeitet, sieht, was er geschafft hat. Beim Radio sprichst du vier oder acht Stunden, dann ist es vorbei.
Fehlt dir dieses „greifbare“ Ergebnis nach der Sendung?
Nein, eine Leere empfinde ich nicht. Es ist einfach ein emotionaler Job. Musik weckt Erinnerungen, man begleitet die Menschen, aber letztlich ist das Gesprochene in der Luft und dann vorbei. Trotzdem gibt es viel Bestätigung – etwa, wenn Hörer dich wahrnehmen und sich mit dir verbunden fühlen. Und auch Komik hat mir geholfen: René Rindlisbachers Figur „Alfonso“ hat mir ein Image gegeben, mit dem ich interagieren konnte. Die Leute haben mir das abgekauft, aber es war natürlich gut vorbereitet.
Du hattest mal eine Phase, in der du freigestellt wurdest. Wie hast du das erlebt?
Das war hart. Du bist zweifacher Familienvater und plötzlich ohne Job, den du liebst. Das war eine schwierige Zeit, aber ich habe professionelle Hilfe in Anspruch genommen – zum Glück. Es hat mich demütiger und dankbarer gemacht.
Man hat dich aber wieder zurückgeholt. War das eine Genugtuung?
Es hat der Seele gutgetan. Es zeigte mir, dass meine Entlassung nicht mit meiner Arbeit zu tun hatte, sondern mit anderen Umständen. Dafür bin ich Roman Unternährer und Thomas Zesiger von Radio Pilatus bis heute dankbar, die mir ermöglicht haben, Andyamo zurückzubringen. Jetzt ist dieses Kapitel aber endgültig abgeschlossen. Umso schöner war der Abschied jetzt, weil er von mir ausging und voller positiver Emotionen war. Das hat mir Frieden gegeben.
Nach so vielen Jahren hast du dich entschieden, Radio Pilatus zu verlassen und bei Radio Lozärn weiterzumachen. Warum?
Es gibt zwei Gründe. Zum einen hatte ich immer wieder DJ-Anfragen für Freitagabende – das war schwer mit dem frühen Aufstehen am Samstagmorgen zu vereinbaren. Dann kam das Angebot von Roger Givel, dem Besitzer von Radio Lozärn, eine Sendung am Donnerstag zu moderieren. Das passt perfekt zu meinen anderen Projekten. Besonders spannend finde ich, dass wir dort auch Vodcasts produzieren – also Video- und Audioformate für YouTube, Spotify und Apple Music. Das gibt mir die Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln.
Was erwartet die Hörer bei Radio Lozärn?
Radio Lozärn ist als erstes KI-Radio der Schweiz bekannt geworden. Jetzt bringen wir ein neues Element hinein: Donnerstagmorgen gibt es mehr Wortanteil und Live-Gäste, aber ohne zum Talk-Radio zu werden. Nach der Sendung nehmen wir einen Vodcast auf und verbreiten ihn online. Das ist eine spannende Ergänzung, die das Radioformat erweitert.
Glaubst du, dass ihr damit neue Hörer gewinnen könnt?
Das wäre natürlich das Ziel! Aber Menschen sind Gewohnheitstiere – einmal entschieden, bleiben sie oft bei ihrem Sender. Vielleicht gelingt es uns trotzdem, im Auto oder über Online-Kanäle neue Zuhörer zu erreichen.
Radio-Moderatoren begleiten Hörer oft über Jahrzehnte. Ist es ein Lebensjob?
Vielleicht sponsert Pro Senectute mal meinen letzten Sendungstag! Aber im Ernst: Die Stimme altert weniger als der Körper – das ist ein Vorteil. Ich werde nicht für SRF Virus moderieren können, weil meine Stimme grundsätzlich nicht „jung“ klingt, aber solange ich die Themen verstehe und mit der Technik mithalten kann, sehe ich keinen Grund aufzuhören. Der Tag wird kommen, aber er ist noch nicht da!








