Der Berner Immunologe Martin Bachmann sagte vor einer Woche, er habe bereits einen funktionierenden Corona-Impfstoff. Sein Ziel sei es, die Schweizer Bevölkerung schon im Herbst zu impfen. Nun wird bekannt: Auch andere Forscher sind in den Startlöchern.

Der Berner Immunologe Martin Bachmann mit seinem Team. Foto: HO

Den Impfstoff stellen Bakterien her. Er wirkt dann, so Bachmann, nach einem bewährten Prinzip, das auch angewendet wird bei Impfstoffen etwa gegen das Papillomvirus HPV zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs oder Hepatitis B. Dazu wird ein kleiner Bestandteil des Coronavirus genommen, ein Protein, und auf ein inaktives Virenpartikel geklebt. Es wird quasi eine Attrappe gebaut, an der das Immunsystem seine Abwehr üben kann.

Noch wurde der Impfstoff nicht am Menschen getestet, doch der Berner Immunologe ist davon überzeugt, dass er ungefährlich ist: «Es ist nicht so, dass man sich mit dem Virus infiziert oder Moleküle spritzt, die replizieren. Das ist im Prinzip nur ein Protein. Viel kaputt machen kann man nicht.»

Bald Impfstoff zum Schutz vor COVID-19

Laut WHO befinden sich derzeit mehr als 40 Impfstoff-Kandidaten in der Entwicklung, die auf unterschiedlichen Plattformen aufbauen – zum Beispiel DNA, RNA, Protein Subunit oder Vektor-Impfstoffe. Die meisten Impfstoff-Kandidaten befinden sich derzeit noch in der sogenannten prä-klinischen Entwicklungsphase. Gute News: Zwei Kandidaten werden seit Mitte März in klinische Phase I Studien untersucht. Weitere Entwickler haben den Beginn von Studien der klinischen Phase 1 für April/Mai angekündigt.

Und auch die grossen Pharma-Firmen geben Grund zur Hoffnung. Dr. Oliver Bleck ist General Manager bei Roche Pharma (Schweiz) AG. Im Exklusiv-Interview mit TCS MyMed spricht er über erste Erfolge.

Wie nah ist Roche einem möglichen Durchbruch?

TCS MyMed: Die Ungeduld der Weltbevölkerung wächst mit jedem Tag, der ohne die Zulassung eines Impfstoffs oder Medikaments gegen das Coronavirus verstreicht. Wie nah ist Roche einem möglichen Durchbruch?
Dr. Oliver Bleck: Ärzte in China haben mit einem unserer Medikamente, das für eine andere Krankheit zugelassen ist, erste Erfahrungen bei der Behandlung von Patienten mit schweren COVID-19-Lungenentzündungen gemacht. Allerdings sind diese Daten noch nicht klinisch gesichert, darum läuft hier aktuell eine entsprechende Studie mit 300 Patienten. Wir können nicht über den Zeitpunkt einer möglichen Zulassung spekulieren. Wir werden die Ergebnisse sicherlich so früh wie möglich bekanntgeben. Darüber hinaus haben wir ein internes Forschungsprogramm zur Entwicklung von Medikamenten gegen das Corona-Virus initiiert und arbeiten auch mit externen Partnern zusammen. Unsere Studien zielen derzeit auch darauf ab, bereits zugelassene Medikamente zu identifizieren, welche gegen diese neue Krankheit wirksam sein könnten.