Zwei Menschen, ein Beruf – und doch zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen. Wer aufblüht und wer innerlich kündigt, hängt oft weniger von der Aufgabe selbst ab, als vom Umfeld, in dem sie ausgeführt wird. Zwei Einblicke in den Alltag der Immobilienbranche zeigen, was Arbeit erfüllend oder zermürbend macht.
Kolumne DIE KUNST BERUFLICHER ZUFRIEDENHEIT
Autor: Ronnie Hürlimann, Experte für Selbstvermarktung im Berufsleben
Tom arbeitet in einem mittelständischen Immobilienunternehmen. Er ist Kundenberater, vermittelt Wohnträume, begleitet Kaufprozesse und kennt den Markt. Er liebt seinen Job – nicht nur wegen der Aufgaben, sondern vor allem wegen der Rahmenbedingungen. In seinem Unternehmen herrscht eine offene Kommunikation. Seine Führungskraft begegnet ihm auf Augenhöhe, Entscheidungen werden transparent getroffen, und Toms Meinung zählt. Er darf mitgestalten, neue Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen.
Tom spürt, dass er sich entwickeln darf – fachlich und persönlich. Sein Engagement wird gesehen, seine Arbeit geschätzt. Auch wenn es stressige Phasen gibt, fühlt er sich getragen. Der Sinn seiner Tätigkeit ist für ihn klar, und das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, motiviert ihn jeden Tag aufs Neue. Sein Job ist nicht nur ein Beruf – er ist ein Teil seiner Identität geworden, der ihn stärkt und erfüllt.

Wenn Arbeit Energie raubt
Ein paar Kilometer weiter, in einem anderen Immobilienunternehmen, arbeitet Senta. Sie hat denselben Job wie Tom, ist genauso kompetent, genauso engagiert. Auch sie liebt den Kontakt mit Kunden und die Herausforderung, passende Lösungen zu finden. Und doch geht es ihr ganz anders.
In ihrem Unternehmen herrschen enge Strukturen. Ihre Führungskraft kontrolliert viel, kommuniziert wenig und bindet Mitarbeitende kaum in Entscheidungen ein. Neue Ideen stossen auf Widerstand oder verlaufen im Sande. Senta fühlt sich häufig übergangen, selten gehört. Ihre Arbeit wird als selbstverständlich genommen, Lob gibt es kaum. Die Atmosphäre ist angespannt, die Energie niedrig.
Obwohl sie ihre Aufgaben grundsätzlich mag, spürt Senta, wie ihre Motivation schwindet. Sie funktioniert, erfüllt ihre Pflichten – aber der Sinn ist ihr abhandengekommen. Sie denkt häufiger daran zu kündigen, nicht weil sie den Beruf an sich infrage stellt, sondern weil das Umfeld sie auslaugt.
Was brauchen wir, um aufzublühen?
Die Geschichten von Tom und Senta machen deutlich: Der gleiche Job kann völlig unterschiedlich erlebt werden – je nachdem, wie viel Vertrauen, Wertschätzung, Klarheit und Gestaltungsfreiheit im Arbeitsumfeld vorhanden sind. Fachliche Aufgaben allein machen keine erfüllte Arbeit. Erst wenn wir uns als Mensch gesehen fühlen, mit unseren Bedürfnissen, Stärken und Ideen, entsteht echte Motivation.

Menschen blühen dort auf, wo sie sich einbringen können, wo ihre Arbeit Sinn stiftet und wo Entwicklung möglich ist. Und sie verkümmern dort, wo Kontrolle, Unsicherheit und fehlende Anerkennung den Alltag bestimmen.
In welcher der beiden Geschichten findest du dich eher wieder – bei Tom oder bei Senta? Was müsste sich ändern, damit dein Beruf nicht nur ein Job ist – sondern ein Ort, an dem du wachsen kannst?
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