Er beginnt schleichend. Erst mehr Arbeitseinsatz, dann längere Arbeitstage. Die eigene Gesundheit gerät in den Hintergrund. Spätestens, wenn auftretende Probleme verleugnet werden, wird der Weg zurück immer schwerer. Wer die frühen Warnsignale erkennt, kann jedoch rechtzeitig gegensteuern – bevor Erschöpfung zur Dauerschleife wird.
Autor: Ronnie Hürlimann, Experte für Selbstvermarktung im Berufsleben
Burnout-Prävention: Frühe Warnsignale erkennen und Balance finden
Viele Angestellte in der Schweiz funktionieren im Berufsalltag scheinbar einwandfrei. Sie erledigen ihre Aufgaben, bleiben länger im Büro und wirken nach aussen belastbar. Doch der Weg in ein Burnout beginnt meist unauffällig, mit kleinen Veränderungen im Verhalten.
Experten sprechen von 12 Stadien im Burnout-Prozess. Die ersten drei Phasen wirken harmlos, doch genau hier liegt der Schlüssel zur Prävention. In diesen Phasen zeigt sich der Burnout meist in Form von unterschwelligen Gedanken und Verhaltensweisen:
- Phase 1: Der Zwang, sich zu beweisen
- Phase 2: Verstärkter Arbeitseinsatz
- Phase 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Rückweg irgendwann nur schwer möglich
Manchmal kann eine kurze Auszeit wahre Wunder wirken, um das innere Gleichgewicht wiederzufinden. Eine solche Möglichkeit bietet das viertägige Retreat, das ich im Park Hotel Margna in Sils (Engadin) vom 14. bis 17. März 2025 veranstalte. Es richtet sich an Menschen, die frühzeitig erste Anzeichen von Erschöpfung erkennen und gegensteuern möchten. Weitere Informationen dazu gibt es auf meiner Webseite www.200Prozent.ch unter „Veranstaltungen“.
Doch zurück zu den ersten drei Burnout-Phasen: Wer die erwähnten Signale ignoriert, riskiert, weiter in den Burnout-Prozess hineinzurutschen. Ein Burnout entwickelt sich nicht plötzlich. Die Überforderung verstärkt sich, bis Betroffene irgendwann nicht mehr in der Lage sind, ihre Situation zu reflektieren. Spätestens ab Phase 6 des Burnout-Prozesses wird es kritisch. In dieser Phase beginnen Betroffene, Probleme zu verleugnen. Die Erschöpfung wird ignoriert, und es fällt schwer, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Die Gefahr in diesem Stadium liegt darin, dass sich viele Betroffene selbst vormachen, alles sei noch unter Kontrolle. Der Körper schickt Warnsignale, wie Schlafprobleme, Reizbarkeit oder das Gefühl, ständig müde zu sein, doch diese werden verdrängt. Stattdessen verstärken Betroffene oft ihren Einsatz im Beruf weiter – ein Teufelskreis, der häufig in einer vollständigen Erschöpfung endet.
Jeder kennt jemanden, der betroffen ist
Das Thema Burnout ist kein Einzelfallproblem. Es betrifft viele Menschen, und mindestens eine Person im näheren Bekanntenkreis hat bereits diese Erfahrung gemacht. Die Bereitschaft, das Gespräch zu suchen, ist der erste wichtige Schritt, um sich selbst mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen.
Ein Erfahrungsaustausch kann helfen, erste Parallelen zu erkennen: Wie hat es bei anderen begonnen? Welche Anzeichen gab es? Und vor allem – wie wurde reagiert? Oftmals zeigt sich dabei, dass es die kleinen Dinge im Alltag sind, die das Gleichgewicht ins Wanken bringen.
Wer den Burnout-Prozess verstehen möchte, sollte sich bewusst machen, dass Prävention nur in den ersten Phasen wirklich eigenständig möglich ist. Sobald die Erschöpfung ein gewisses Mass erreicht hat, fällt es Betroffenen schwer, sich selbst aus der Situation zu befreien. Je früher der Kreislauf durchbrochen wird, desto besser sind die Chancen, langfristig gesund zu bleiben.
Ein Drittel aller Angestellten sind überfordert
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut Studien fühlen sich rund ein Drittel der Angestellten in der Schweiz regelmässig überfordert. Viele von ihnen befinden sich in einem Vor-Burnout-Stadium, ohne es zu wissen. Besonders tückisch ist, dass diese Zustände gesellschaftlich akzeptiert und teilweise sogar belohnt werden. Wer mehr arbeitet, länger bleibt und immer erreichbar ist, wird oft als leistungsfähig wahrgenommen – dabei sind genau diese Verhaltensweisen erste Warnzeichen.
In den frühen Phasen des Burnout-Prozesses lassen sich die meisten Probleme noch durch Selbstreflexion und Veränderungen im Alltag lösen. Pausen einzulegen, Prioritäten neu zu setzen und auch mal «Nein» zu sagen, sind einfache Massnahmen, die helfen können, das Gleichgewicht wiederzufinden. Doch genau diese Schritte werden oft vernachlässigt – aus Angst, den Erwartungen nicht zu entsprechen oder weniger leistungsfähig zu wirken.
Es liegt in der eigenen Hand, die Zeichen zu erkennen
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Umfeld. Führungskräfte und Kollegen haben die Möglichkeit, frühzeitig auf Anzeichen einer Überforderung hinzuweisen. Doch auch hier fehlt häufig die Sensibilität für das Thema. In vielen Unternehmen ist Burnout noch immer ein Tabuthema, obwohl es längst zu einer der häufigsten Erkrankungen im Arbeitskontext geworden ist.
Burnout-Prävention beginnt bei jedem selbst – doch es braucht auch ein gesellschaftliches Umdenken. Wenn Überlastung nicht länger als Zeichen von Stärke, sondern als Warnsignal gesehen wird, können mehr Menschen rechtzeitig gegensteuern.

