Im Fussball sind Schiedsrichter so unentbehrlich wie unbeliebt. Ohne sie läuft das Spiel nicht. Mit ihnen aber auch nicht. Zumindest scheinen das sogenannte Fussballfans so zu sehen. Ein guter Schiedsrichter ist aber auch die unauffälligste Person – im Mittelpunkt stehen die Fussballerinnen und Fussballer, die ihren Sport betreiben. Im aktuellen Vodcast von Andy Wolf berichtet der Innerschweizer Spitzenschiedsrichter Lukas Fähndrich von seinen Erfahrungen, die er während der Saison jedes Wochenende auf dem Fussballplatz macht. Für einmal steht er im Mittelpunkt und diese Rolle behagt ihm nicht, denn wenn ein Schiedsrichter im Mittelpunkt steht, ist meist etwas schiefgelaufen.
Rückblick auf die abgelaufene Saison fällt durchzogen aus
Von Andy Wolf darauf angesprochen, dass der oberste Schiedsrichterchef Daniel Wermelinger den Schiri’s die Note 4,5 gegeben hat, antwortet der im Zweitberuf tätige Lehrer: «Ich bin froh, dass ich uns keine Note geben muss. Ich bin zum Glück auch nicht mehr Lehrer. Seit dem letzten Sommer habe ich den Lehrer-Job an den Nagel gehängt, um mich 100 Prozent dem Fussball widmen zu können. Ich bin Daniel Wermelinger dankbar, denn er war nett zu uns. Wenn ich noch Lehrer wäre, hätte ich uns eine andere Note gegeben, welche eher ein wenig tiefer ist. Wir hatten eine nicht so gute Rückrunde, wir haben doch zu viele Fehler gemacht. Es ist wichtig, dass wir aus diesen lehren und auf die nächste Saison wieder besser werden».
Der VAR-Entscheid – Fluch und Segen
Neben den zig-Kameras, die heute für ein Fussballspiel im Einsatz stehen, hat der VAR eine wichtige Rolle eingenommen. Darauf angesprochen antwortet Lukas Fähndrich: «Es wäre schon einfacher, wenn wir weniger oder nur eine Kamera hätten. Wie zum Beispiel in der Challenge League, wo wir zum Teil nur eine Kamera im Einsatz haben. Das wäre schon noch vorteilhaft, denn dann kann man auf dem Platz Fehler nicht aufdecken. Denn das tut natürlich auch weh, wenn man nach dem Match erkennen muss, dass man einen Fehler gemacht hat. Ein Blick wird auf den Bildschirm geworfen und der Fehler korrigiert, zum Glück für den Fussball. Aber persönlich haben wir natürlich immer den Anspruch, dass wir als Sportler eine möglichst gute Performance abliefern. Und wenn man dann zwei bis drei spielentscheidende Fehler macht, dann hat man das nicht gemacht».
Fussballmatch zu pfeifen ist wie eine Droge
Nach dem Ende seiner Fussballkarriere, als Lukas Fähndrich einsehen musste, dass es nicht weitergeht, wechselte er auf die andere Seite. Die Gefühle, die er dabei verspürt, umschreibt Lukas Fähndrich wie folgt: «Wenn du auf den Platz einläufst und zwanzig bis fünfzigtausend Leute jubeln und es sind alle parat, nervös, du merkst auch, wie nervös die Spieler sind, jeder will, dass es bald anfängt – das gibt Energie, die auf dem Fussballplatz verbreitet wird, das ist unglaublich. Und wenn du das persönlich erleben darfst, dann ist das unbezahlbar. Das kannst du nicht mit Geld aufwerten. Das werde ich nie vergessen, mein erstes Super-League-Spiel oder mein erstes Spiel in Schottland vor fünfzigtausend Zuschauern im Hampden Park oder die Nations League in Ungarn vor sechzigtausend Zuschauern. Das sind unglaubliche Emotionen, die freigesetzt werden. Falls jemand die Droge hat, die mir diese Emotionen nach dem Ende meiner Karriere ermöglichen, soll er sich unbedingt bei mir melden». Es ist es dem sympathischen Referee zu wünschen, dass er noch viele solcher Glücksmomente auf den nationalen und internationalen Fussballplätzen erleben darf.

