Seit 1950 ist der Name Fanger eng mit Coiffeurhandwerk in der Region verbunden. Mit der Übergabe an die dritte Generation führt Jil Fanger das Familienunternehmen mit viel Respekt vor der Geschichte – und mit einem klaren Gespür für die Anforderungen der Gegenwart. Im Interview spricht sie über Verantwortung, Veränderung, Nähe zur Kundschaft und darüber, weshalb der Mensch auch in Zukunft im Mittelpunkt ihres Berufs stehen wird.
Interview: Ronnie Hürlimann
Jil, dein Coiffeur-Geschäft gehört zu den traditionsreichsten Betrieben in der Region. Was bedeutet es für dich persönlich, diese lange Familiengeschichte weiterzutragen – und wie hat dich dieser Übergang in die dritte Generation geprägt?
Es erfüllt mich mit grossem Stolz, ein Geschäft weiterzuführen, das seit 1950 Teil unserer Familiengeschichte und der Region ist. Diese Tradition ist für mich mehr als ein Erbe – sie ist Identität. Ich bin im Salon aufgewachsen und habe erlebt, wie viel Herzblut meine Grosseltern und später mein Vater investiert haben und wie der Betrieb für viele Kundinnen und Kunden zu einem vertrauten Ort geworden ist.
Der Schritt in die dritte Generation war für mich Ehre und Verantwortung zugleich. Er hat mich geprägt, weil ich gelernt habe, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden: die Werte zu bewahren, die uns gross gemacht haben, und gleichzeitig mutig neue Wege zu gehen. Heute ist es genau diese Balance, die mich antreibt.

Die Branche verändert sich stetig – Trends, Produkte, Kundenerwartungen. Welche Entwicklungen beobachtest du derzeit besonders stark, und wie reagiert ihr als Familienunternehmen darauf?
Die Coiffeur-Branche entwickelt sich heute schneller denn je. Besonders deutlich spüre ich den Wunsch nach Individualität, das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und den Einfluss der Digitalisierung – von der Terminbuchung bis zur Inspiration über soziale Medien.
Als Familienunternehmen reagieren wir mit einer Mischung aus Bodenständigkeit und Offenheit. Wir bleiben unseren Qualitätswerten treu, investieren aber gezielt in moderne Techniken, Schulungen und nachhaltige Produkte. Wichtig ist uns, Trends nicht einfach zu kopieren, sondern sie so umzusetzen, dass sie zu unserer Philosophie passen und unseren Kundinnen und Kunden echten Mehrwert bieten.


In eurem Betrieb spielt der persönliche Kontakt eine zentrale Rolle. Wie hat sich das Verhältnis zwischen Coiffeur und Kundschaft über die Jahrzehnte verändert – und was bleibt trotz aller Trends gleich wichtig?
Der persönliche Kontakt war schon immer das Herzstück unseres Berufs. Verändert hat sich jedoch die Beziehung: Heute suchen Kundinnen und Kunden nicht nur einen Haarschnitt, sondern ein Gesamterlebnis – Beratung, Inspiration, Wohlfühlmomente und manchmal auch ein offenes Ohr.
Die Erwartungen sind gestiegen, gleichzeitig ist eines gleich geblieben: Vertrauen. Unsere Kundschaft gibt uns wortwörtlich ihren Kopf in die Hände. Diese Nähe schafft eine besondere Verbindung. Egal, wie sehr sich Trends oder Techniken verändern – die echte menschliche Begegnung bleibt der Kern unseres Handwerks.

Du hast vor einem Jahr im Radio-Interview erzählt, dass «Hair and More» heute viel mehr bedeutet als nur Haare schneiden. Wie würdest du dieses «Mehr» beschreiben, und welche Rolle spielt es für eure Positionierung im Markt?
«Hair and More» steht für das Zusammenspiel aus Handwerk, Atmosphäre und Persönlichkeit. Es bedeutet individuelle Beratung, typgerechte Stylings, hochwertige Pflege und einen Ort, an dem man kurz dem Alltag entfliehen kann.
Für unsere Positionierung ist dieses Mehr entscheidend. In einer Branche, in der viele sehr gute Arbeit leisten, machen Emotionen, Service und echte Begegnungen den Unterschied. Genau diese Kombination aus Tradition, Qualität und modernen Beauty-Dienstleistungen macht uns unverwechselbar.
Familienunternehmen stehen oft für Verlässlichkeit, Handwerk und Nähe. Gleichzeitig braucht Erfolg frische Impulse. Wie findest du die Balance zwischen Bewahrung der Tradition und dem Mut, Neues auszuprobieren?
Unsere Geschichte gibt mir ein starkes Fundament: Qualität, Vertrauen und handwerkliche Präzision. Diese Werte sind zentral und sollen erhalten bleiben.
Gleichzeitig weiss ich, dass Stillstand keine Option ist. Mut bedeutet für mich, bewusst auszuwählen, was zu uns passt – neue Dienstleistungen, moderne Techniken oder nachhaltigere Produkte. Tradition und Innovation schliessen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Unsere Wurzeln geben Stabilität, um mutig nach vorne zu schauen.
Die Coiffeurbranche gilt als sehr vielfältig, aber auch als anspruchsvoll. Welche Kompetenzen werden deiner Meinung nach für zukünftige Fachkräfte besonders wichtig – handwerklich wie menschlich?
Handwerklich bleiben saubere Techniken, Stilgefühl und Weiterbildung entscheidend. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, muss offen für neue Methoden, Produkte und Entwicklungen sein.
Mindestens genauso wichtig sind die menschlichen Fähigkeiten: Empathie, Zuhören, Kommunikationsstärke und Zuverlässigkeit. Unsere Arbeit ist sehr persönlich. Die besten Fachkräfte der Zukunft verbinden handwerkliches Können mit Menschlichkeit und Authentizität.


Technologie hält überall Einzug, auch in der Beautywelt. Werden KI und Roboter einmal dein Geschäft übernehmen?
Ich glaube nicht, dass KI oder Roboter Coiffeursalons ersetzen werden. Technologie kann unterstützen – etwa bei Planung, Beratung oder Inspiration – und wir nutzen diese Möglichkeiten bewusst.
Doch das Herz unseres Berufs bleibt menschlich. Ein Roboter kann keine Atmosphäre schaffen, keine Emotionen lesen und keine echte Beziehung aufbauen. Technologie ist ein Werkzeug, aber die Seele eines Coiffeursalons bleibt der Mensch.

Die Betriebe:
- Fanger Hair and More:
Kirchstrasse 1 in Sarnen,
Tel. 041 660 84 84 - Fanger Hair and More:
Brünigstrasse 17 in Alpnach Dorf,
Tel. 041 670 33 70 - Jil’s Hair & Extensions:
Winkelriedstrasse 30a in Luzern,
Tel. 041 210 11 19







