Ludwig Wicki gründete 1999 in Luzern das 21st Century Orchestra. Im aktuellen Vodcast von Radio Luzern erzählt der Dirigent, wie 2008 die weltweit erste Live-Aufführung von «Herr der Ringe» zum Film ihren Anfang nahm.
Ludwig Wicki ist Gründer und künstlerischer Leiter des 21st Century Orchestra samt zugehörigem Chor. Seine Liebe zur Filmmusik reicht weit zurück. Mit 14 Jahren kaufte er seine erste Schallplatte von Ennio Morricone, dazu eine von Martin Böttcher mit Musik zu «Der Schatz im Silbersee». Beide besitzt er bis heute. Schon mit 15 stand für ihn fest, dass er Musik studieren will.
Doch in Luzern galt Filmmusik lange als Tabuthema. «Man hatte das Gefühl, das sei billige Musik», erinnert sich Wicki. Am Konservatorium wollte niemand über das Genre reden. Denn die avantgardistische Klassik stand hoch im Kurs, während die Filmmusik kaum Beachtung fand. Prägend wurde für ihn deshalb ein Studienaufenthalt am Tanglewood Institute in Boston. Dort erlebte er John Williams mit den Boston Pops regelmässig live.
Wie das 21st Century Orchestra 1999 startete
Zurück in der Schweiz wollte Wicki das Erlebte nach Luzern bringen. Ein paar Jahre später fand er die passenden Mitstreiter, darunter Markus Wieser, der bis heute mitspielt. 1999 gab das 21st Century Orchestra sein erstes Konzert. Anfangs führte es Filmmusik als reine Konzertmusik auf, also ohne Film. Später kamen zudem Stummfilmbegleitungen hinzu, etwa zu Charlie Chaplin.
Den Anstoss zur grossen Geschichte gab der Oscar-prämierte New Yorker Komponist Howard Schwartz. 2007 lud das Orchester ihn zu einem Konzert mit seiner Musik nach Luzern ein. Nach einer gemeinsamen Probenwoche tauschten die beiden bei einem Kaffee im Café de Ville in Luzern ihre Fantasien aus. Dabei äusserte Wicki den Wunsch, «Herr der Ringe» komplett zum Film zu dirigieren. Schwartz trug dieselbe Idee bereits in sich, hatte aber nie jemanden dafür gefunden.
Weltpremiere in Luzern: Das erste 21st Century Orchestra-Filmkonzert
Kurz darauf rief Schwartz an und fragte nach. Wicki beriet sich mit seinem Umfeld, dann sagte er zu. Nur zwei Monate später fand 2008 in Luzern die Weltpremiere statt. Es war die erste Aufführung eines Live-Films der modernen Ära, also eines Tonfilms mit Dialogen, begleitet vom Orchester. Was heute weltweit populär ist, nahm folglich in Luzern seinen Anfang.
Technisch verzichtet Wicki bewusst auf einen hörbaren Klick im Ohr. Stattdessen setzt er live auf einen visuellen Klick. Auf seinem Monitor laufen der Film und farbige Balken, die Ein- und Aussätze der Musik markieren. So bleibt er punktgenau und formt die Musik trotzdem selbst. Denn ein grosses Orchester und ein sehr grosser Chor lassen sich über drei Stunden nur mit einem Dirigenten koordinieren.
Inzwischen reicht Wickis Karriere längst über Luzern hinaus. So dirigiert er heute in renommierten Konzerthäusern auf der ganzen Welt, darunter auch in der berühmten Royal Albert Hall in London. Für Studioaufnahmen arbeitet er zudem in den legendären Abbey Road Studios.







