In diesem Vodcast von Radio Lozärn erzählt Bruno Kiser, Inhaber und Geschäftsführer der Meyer AG aus Ennetbürgen, wie er damals den Betrieb übernahm, weshalb Sichtbarkeit für einen Zulieferer manchmal schwierig ist und was er sich für die Zukunft wünscht. Ein zentrales Thema ist dabei der innovative Mineralwerkstoff Varicor: Dieses Material lässt sich wie Holz bearbeiten, vereint aber die fugenlosen, hygienischen Eigenschaften eines Steins und ist in rund 50 Farben erhältlich.
Wer schon einmal an einer Autobahnraststätte oder in einem Einkaufszentrum an einem grossen Waschtisch mit mehreren Becken in einer Reihe stand, hatte vermutlich bereits Berührungspunkte mit dem Material, für das die Meyer AG steht. Im Gespräch mit Moderator Andy Wolf erklärt Bruno Kiser, was hinter dem Mineralwerkstoff Varicor steckt.
Was Varicor ist, und warum es so beliebt ist
«Varicor ist ein Mineralwerkstoff. Das Material lässt sich wie Holz bearbeiten, hat aber eigentlich die Eigenschaften eines Steins», beschreibt Kiser das Produkt. Der grosse Vorteil: Man kann es grossflächig und ohne Fugen verarbeiten. Ein typisches Beispiel sind Dusch-Rückwände, die fugenlos hergestellt werden, pflegeleicht und hygienisch. Das Produkt existiert seit fast 50 Jahren. Genutzt wird das Material heute jedoch breit. «Wenn man die Badausstellungen betrachtet, ist jeder zweite Waschtisch ein Mineralwerkstoff», so Bruno Kiser. Die meisten seien weiss wie Keramik, doch das Material lasse sich in vielen Farben herstellen. Im Standardsortiment führt die Meyer AG rund 50 Farben. Trotzdem bleibt Weiss klar dominant: Rund 90 Prozent des Verkaufs entfallen darauf, dazu kommen hellbraune und graue Erdtöne.
Firmenübernahme und Generalimport im selben Jahr
2011 war für Bruno Kiser ein einschneidendes Jahr. Zeitgleich übernahm er den Betrieb und wurde Generalimporteur für Varicor in der Schweiz. Zuvor hatte er bereits rund 15 Jahre als Projektleiter im Betrieb gearbeitet. Herr Meyer und seine Kinder hätten andere berufliche Pläne verfolgt, niemand von ihnen wollte die Firma übernehmen. So erhielt Kiser als Mitarbeiter das Angebot, und griff gemeinsam mit seiner Frau Heidi zu.
Auf die Übernahme habe er sich vorbereiten können, sagt Kiser. Finanziell sei es dennoch «eine Hausnummer» gewesen. Der Schritt zum Import von Varicor kam etwas überraschender: Der bisherige Händler, ein Holzhändler in Basel, wollte das Produkt abstossen, weil es nur rund ein Prozent seines Umsatzes ausmachte, aber viel Beratungsaufwand verursachte. Als einer der grössten Verarbeiter wurde die Meyer AG angefragt. «Wir sagten uns: All-in, Vollgas», erinnert sich Kiser. Bereut habe er den Entscheid keine Sekunde.
Unsichtbar, aber mit prominenten Referenzen
Als Zulieferer bleibt die Meyer AG bei vielen Schreiner-Aufträgen im In- und Ausland vollständig im Hintergrund. Werbung oder Referenzen auf der eigenen Webseite sind dort tabu. «Das ist manchmal etwas schade», gibt Kiser zu, «aber wir leben gut davon, und das ist das Wichtigste.» Einzelne Referenzen dürfe man in Absprache mit den Kunden aber nennen, darunter Projekte für BMW und VW, der New Yorker Bahnhof, ein Spital in Basel oder das Hotel Adlon Kempinski in Berlin. Solche Namen schaffen Vertrauen. «Wenn ich selber Ferien buche, schaue ich auch Hotelbewertungen und Referenzen an», sagt Kiser.
Werte und Blick in die Zukunft
Mit Blick auf die Zukunft von Varicor will Kiser den bisherigen Weg fortsetzen: Sanierungen und Umbauten für private Bauherren, meist über einen Sanitärbetrieb. Den Betrieb massiv vergrössern will er nicht: «Das war nie mein Ziel.» Technisch traut er KI viel zu, etwa bei der Produktvisualisierung, wo sich Kunden innert Sekunden zeigen lasse, wie ein Möbel an der Wand aussieht.
Bald 60, denkt Kiser bereits über seine Nachfolge nach. Keines seiner drei Kinder hat Schreiner gelernt, eine ähnliche Ausgangslage wie einst bei seinem Vorgänger Ruedi Meyer. Bevor er 65 wird, möchte er alles geregelt haben, danach reisen und das Leben geniessen. Seine wichtigsten Werte fasst er zum Schluss klar zusammen: «Ehrlichkeit und Anstand. Dass man das, was man verspricht, auch hält.»







