In einem kürzlich geführten Interview gibt uns Marco Gössi, der das Familienunternehmen Gössi Carreisen in zweiter Generation mit seiner Frau Karin führt, Einblick in sein Schaffen, seine Wünsche und persönlichen Präferenzen rund um das Thema Reisen und Touristik. Wir treffen Marco Gössi an einem nebligen Montagmorgen, an dem man am liebsten in einen der komfortablen Reisecars einsteigen und den Weg Richtung Süden antreten möchte.
Marco Gössi, wie sah Ihr Einstieg in die Reisebranche aus?
«Meine Eltern gründeten am 1. Mai 1975 das Unternehmen und am 22. Mai 1975 kam ich zur Welt. Und so zieht sich meine Geschichte wie ein roter Faden durch die Entwicklung der Firma. Ich war, sofern es die Zeit erlaubte, immer dabei, hatte quasi bereits früh Diesel im Blut. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Carchauffeur, der mit einem Occasionscar unter anderem Rundreisen durch die Schweiz durchführte. Durch die Nähe zur Firma stellte sich die Frage, ob ich nach dem Tod meines Vaters im Jahr 2013 die Firma übernehme, gar nie richtig. Daraus leitet sich auch mein Erfolgsgeheimnis ab: Meine Frau Karin und ich sind punktuell bei Reisen immer mal wieder persönlich mit dabei, wir wollen ein aktiver Teil der Reise sein. Dieser persönliche Bezug ist tief in der Gössi-DNA hinterlegt und wurde an unsere Mitarbeiter weitergegeben».

Wie unterscheidet sich Gössi Carreisen von anderen Reiseunternehmen?
«Wir bieten viele verschiedene Reiseformate an, viele Produkte, die nicht ab der Stange kommen. So organisieren wir, übrigens sehr erfolgreich, die Gössi-Überraschungsfahrten an, die bis zu sieben Tagen dauern können. Die Kunden buchen für eine Reise, ohne das Reiseziel zu kennen. Das zeugt von einem sehr grossen Grundvertrauen, welches uns unsere Kunden immer wieder entgegenbringen. Aber das Kerngeschäft bilden schon die Carreisen, bei denen in Gruppenreisen Ziele in ganz Europa angesteuert werden. Dazu kommen Schiffsreisen auf Fluss/Meer und begleitete Flugreisen. Hier stellen wir ein erfreuliches Umsatzplus von 20 Prozent fest, Tendenz steigend».
Wie erklären Sie den Erfolg von Carreisen?
«Wir sind Vorreiter in der Schweiz, wenn es um das Engagement von motivierten Carchauffeuren geht. Früher hatten die Chauffeure einen Anstellungsvertrag über die Dauer des Sommers, also nicht mehr als sechs Monate. Da wir die guten Chauffeure nicht verlieren wollten, boten wir diesen auch während den Wintermonaten eine sichere Stelle an. Und man darf sagen, dass unsere Chauffeure mittlerweile eine richtige Fangemeinschaft hinter sich wissen. Neben dem Gössi-Fanclub, der 150 Mitglieder hat, kennen unsere Gäste die Carchauffeure mit Vornamen und sind mit diesen auf du und du».

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?
«Habe mir nie vorstellen können, wie hart es einem treffen kann. Selbstverständlich hatten wir Szenarien durchgespielt, wenn es einmal etwas schlechter läuft, aber bestimmt nicht in dieser Form. Von damals 25 Cars behielten nur der FCL- und EVZ-Mannschaftsbus ihre Kontrollschilder. Rückblickend sind wir aber anständig durch diese schwierige Zeit gekommen, aber es hat schon viel Substanz gefordert».
Welche aktuellen Trends sehen Sie zurzeit in der Reisebranche?
«Wir stellen eine deutliche Entwicklung von Erlebnisreisen, die lange dauern und weit wegführen, fest. Dies sicherlich auch eine Folge der Coronazeit, verschiebe nichts auf Morgen, sondern lebe und entscheide heute. Diese Reisen sind meistens schnell ausgebucht. Zudem geht der Trend nach Individualität auch bei Gruppenreisen immer weiter».
Wie gehen Sie mit steigenden Kosten und wirtschaftlichen Herausforderungen um?
«Mittlerweile haben wir eine 100-Prozent-Stelle eingerichtet, die sich nur mit einem Thema, nämlich den erforderlichen Bewilligungen beschäftigt. Da geht es zum einen um die Buchung eines Busparkplatzes vor Venedig oder die Bewilligung für Reisen nach Grossbritannien, bei welcher wir unsere Gäste selbstverständlich auch unterstützen».
Haben Sie eine persönliche Lieblingsdestination?
«Die Insel Sylt ist der favorisierte Rückzugsort für mich und meine Familie. Die Insel misst vom Norden in den Süden rund 45 Kilometer. Es ist beeindruckend, was man auf dieser vergleichsweisen kleinen Insel alles erleben kann. Sei es bei ausgedehnten Velotouren oder auch zu Fuss, es gibt so viel zu entdecken. Und die Gastrodichte ist enorm, ich habe auf Sylt noch kein einziges Mal schlecht gegessen».


Gössi feiert dieses Jahr 50 Jahre Jubiläum. Welche Meilensteine verdienen besondere Erwähnung?
«In Bezug auf den Bekanntheitsgrad stieg dieser merklich mit der Eröffnung des Carterminals im Jahre 2004. Unsere Kunden konnten nun mit dem Auto oder mit der S-Bahn anreisen und direkt und bequem in unsere Reisebusse einsteigen.
Und imagemässig machten wir mit den Mannschaftbussen des FCL, HCKL und EVZ einen Schritt nach vorne. Als begeisterter Teamplayer im Handballsport war es mir stets sehr wichtig, die Ziele gemeinsam zu verfolgen. Im August 2024 eröffneten wir unser Reisekino, die Cafeteria und das Kundenparkhaus. Für das Jubiläumsjahr 2025 konnte eine Zusammenarbeit mit Nik Hartmann realisiert werden, über die ich mich sehr freue».
Und noch zum Schluss: Welches war ihr lustigstes Reiseerlebnis?
«Erst kürzlich waren wir mit einer Gruppe in Kroatien. Und beim Bummeln an der Strandpromenade wurde ein Gast von einer grossen Welle erfasst und im wahrsten Sinne des Wortes kalt geduscht. Meine Frau und ich suchten dann nach einem Kleiderladen, um die arme Frau mit neuen und vor allem trockenen Kleidern auszustatten. Schnell, persönlich, unkompliziert. Eben wie Gössi Reisen nun mal funktioniert».








