Bastian Baker war zu Gast bei Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn: Der Schweizer Musiker spricht über die schmerzhafte WM-Niederlage, seine erfolgreiche Solo Acoustic Tour durch die Schweiz und seine neue Rolle im Musical Keep Cool. Ein offenes Gespräch über Erfolg, persönliche Herausforderungen und der Liebe zur Musik.
Die WM-Enttäuschung sitzt noch immer tief
Die Eishockey-WM 2026 in der Schweiz sollte das grosse Fest werden. Stattdessen wurde sie zur grossen Enttäuschung. Bastian Baker, der mit seinem Song «Time to shine» das offizielle WM-Lied komponiert hatte, war als einer der letzten Zuschauer im Stadion. «Es hat schon wehgetan», gesteht der Musiker im Gespräch mit Andy Wolf.
Die Schweiz verlor zum fünften Mal ein WM-Finale – ein neuer Weltrekord, wie Baker betont. Besonders schmerzhaft sei es für Spieler wie Nino Niederreiter gewesen, der bei allen fünf Final-Niederlagen dabei war. «Was wir uns alle gewünscht haben, war natürlich dieser Moment, in dem das ganze Stadion und die ganze Schweiz bei einem Tor gemeinsam explodieren. Leider konnten wir das nicht erleben», erklärt Baker die kollektive Enttäuschung.
Paradoxerweise wurde «Time to shine» zu seinem grössten Airplay-Hit. Jedes Mal, wenn er den Song live spielt, erinnert er sich an die Silbermedaille statt an den erhofften Goldtriumph. Dennoch bleibt Baker stolz auf das Team: «Nächstes Jahr holen wir uns das in Deutschland.»
Von der Fussball-WM zur brasilianischen Musik
Während die Fussball-WM läuft, zeigt sich Baker weniger emotional involviert als beim Eishockey. «Ich bin bei Fussball sehr opportunistisch», gibt er zu. Nur für die Schweiz werde er mitfiebern. Interessanter ist für Baker derzeit sein musikalisches Projekt in Brasilien, wo seine aktuelle Single auf Portugiesisch erscheint. Zudem verbringt er normalerweise die Hälfte des Jahres dort. «Du kannst mir irgendetwas auf Portugiesisch sagen, dann schmelze ich wie Eis», schwärmt er von dieser Sprache.
Die erfolgreiche Solo Acoustic Tour durch die Schweiz
Was im März 2024 mit 17 geplanten Shows begann, entwickelte sich zu einem Phänomen: Bis März 2027 wird Baker etwa 350 Konzerte gespielt haben. «Der Grund dafür ist, dass es überall ausverkauft ist», erklärt er den Erfolg seiner Solo Acoustic Tour. Das Besondere an diesen Shows: Baker geht ohne feste Setlist auf die Bühne. «Das Publikum ist lustig. Es kommen immer so dumme Sprüche – es ist wirklich cool!», beschreibt er die Unberechenbarkeit seiner Shows. Die Zuschauer können Songs wünschen und er erzählt Geschichten dazu. So wird jeder Abend zum Unikat. Besonders bewegen ihn dabei zwei Songs: «Five Fingers», der von Freundschaft handelt und «Kids Of The Streets». Letzteren schrieb er nach einem Projekt mit Andreas Vollenweider für Kinder in Nepal. «In 5 Minuten habe ich den Song geschrieben», erinnert er sich an die spontane Entstehung.
Über Alkohol und falsche Headlines
Bei der TV-Sendung «Sing meinen Song» gewährte Baker tiefe Einblicke in sein Privatleben. Das führte zu missverständlichen Schlagzeilen. «Drogen habe ich nie genommen», stellt er im Gespräch mit Andy Wolf klar. Beim Alkohol sei es anders gewesen: Er habe gerne Party gemacht und getrunken, aber nie unprofessionell gearbeitet.
Den Wendepunkt brachte die Welttournee mit Shania Twain 2018. Die Country-Legende öffnete ihm die Augen: «Wenn du so weitermachst, fährst du irgendwann gegen die Wand. Dann wirst du wahrscheinlich arbeiten müssen, weil du mit der Musik nicht mehr genug verdienen wirst.» Baker änderte daraufhin seine Lebensweise. Nicht wegen des Alkohols, sondern um bei seinem intensiven Tourneealltag gesund zu bleiben.
Keep Cool: Die neue Herausforderung als Schauspieler
Ab Oktober 2026 steht Baker in Zürich, Basel und Luzern als Hauptdarsteller im Musical «Keep Cool» auf der Bühne. Er übernimmt die Rolle, die Marco Rima vor 20 Jahren spielte. Rima ist nun Produzent des Stücks und holte Baker für die Neuauflage. «Das ist ein riesiger Druck für mich», gibt Baker zu. Er werde aber nicht versuchen, Rima zu imitieren: «Ich werde es natürlich auf die typische Bastian-Baker-Art machen.» Die Herausforderung reizt ihn: «Da werde ich zum ersten Mal singen, tanzen und schauspielern müssen». Als Welschschweizer, der 1991 geboren wurde, kannte Baker das Original nicht. Die Zusammenarbeit mit Rima beschreibt er als «lustige Vater-Sohn-Beziehung». Bereits bei «Art on Ice» hätten sie gut harmoniert.
Nachwuchsförderung und die Bilanz-Liste
Neben seiner eigenen Karriere fördert Baker junge Schweizer Talente. Mit SOLEROY landete er einen grossen Erfolg: Fünf Wochen lang stand dessen Song auf Platz 1 der Schweizer Airplay-Charts. Das ist ein neuer Rekord. «Ich bin zu jedem Label gegangen und habe überall nur ein ‹Nein, nein, nein› bekommen», erzählt Baker über die anfängliche Skepsis der Branche. Auch seine Schwester Maryne unterstützt er als Produzent und Manager. Im September erscheinen neue Releases beider Künstler. «Es war eine der geilsten Wochen für mich. Ich hatte meinen Song, SOLEROY und Maryne, wir waren alle Top 50 in der Schweiz», schwärmt Baker von einem besonderen Moment.
Amüsiert zeigt er sich über die Bilanz-Liste der reichsten jungen Schweizer. Dort wird Luca Hänni mit einem Vermögen von 10 bis 20 Millionen Franken aufgeführt. «Das hat mich schon überrascht», sagt Baker. Hänni habe mit seiner Eurovision-Song-Contest-Teilnahme zwar viel erreicht, dennoch sei er neugierig, wie diese Summe zustande komme. «Ich bin ja selbst auch als Unternehmer unterwegs. Wenn ich solche Zahlen sehe, interessiert mich die Rechnung dahinter schon. Vielleicht kann er mir ja einen Tipp geben», sagt er lachend.







