Viele Menschen wachen jeden Montag mit einem flauen Gefühl auf – und tun: nichts. Sie verdrängen, erklären ihre Situation schön oder glauben, dass es eben «normal» sei, unzufrieden zu sein im Beruf. Diese Denkweise ist brandgefährlich. Wer auf Dauer ein Leben gegen sich selbst lebt, zahlt dafür einen hohen Preis. Nachfolgend die grössten Denkfehler.
Kolumne DIE KUNST BERUFLICHER ZUFRIEDENHEIT
Autor: Ronnie Hürlimann, Experte für Selbstvermarktung im Berufsleben
1. Die Normalisierung von Unzufriedenheit
«Das gehört halt dazu» oder «Kein Job ist perfekt», sagen viele. Und natürlich: Es wird immer mal stressige Phasen, nervige Aufgaben oder fordernde Chefs geben. Doch wenn Frust, Langeweile oder Druck zur Dauerbegleitung werden, ist es kein Jobproblem mehr – sondern ein Lebensproblem. Wer Tag für Tag innerlich kündigt, nur um abends müde auf dem Sofa zu landen, verschwendet nicht nur seine Zeit, sondern auch sein Potenzial. Zufriedenheit ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis.
2. Die Macht der Selbstverkleinerung
«Ich kann ja sowieso nichts ändern”. Wer unglücklich ist, verliert oft das Vertrauen in die eigene Gestaltungsfähigkeit. Viele Berufstätige glauben, sie hätten keine Alternativen – sei es wegen des Alters, der Familie, der finanziellen Verpflichtungen oder weil sie «nur das gelernt» haben. Doch das ist ein Trugschluss. Der Arbeitsmarkt ist heute vielfältiger denn je, neue Jobmodelle entstehen ständig. Wer in dieser Denkfalle bleibt, unterschätzt seine Entwicklungsmöglichkeiten – und verpasst Chancen.
3. Der toxische Vergleich
«Andere haben es schlimmer». Ein gefährlicher Klassiker. Anstatt auf das eigene Empfinden zu hören, schauen viele nach links und rechts: «Mein Kollege ist auch nicht happy», «Andere würden sich über meinen Job freuen». Doch dieser Vergleich hilft niemandem weiter – er lähmt. Zufriedenheit ist etwas höchst Persönliches. Und das eigene Bauchgefühl ist immer ein zuverlässigerer Ratgeber als die vermeintliche Objektivität im Aussen.
4. Die ewige Aufschieberitis
«Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt». Es gibt immer Gründe, nicht zu handeln: Das nächste Projekt steht an, die Kinder brauchen gerade viel Aufmerksamkeit, bald sind Ferien… Und dann ist plötzlich wieder ein Jahr vorbei. Wer ständig auf den perfekten Moment wartet, wird nie losgehen. Veränderung braucht Mut, ja – aber vor allem braucht sie den ersten kleinen Schritt. Und der kann jetzt sein. Nicht irgendwann.
5. Die gefährliche Illusion von Stabilität
«Ich funktioniere ja noch». Viele, die tief unzufrieden sind, halten trotzdem durch – funktionieren, leisten, lächeln. Und genau das ist das Tückische: Sie halten das System am Laufen, obwohl es innerlich längst kracht. Doch Körper und Psyche vergessen nicht. Die Rechnung kommt – manchmal in Form von Erschöpfung, manchmal durch einen plötzlichen Bruch. Wer meint, er habe alles im Griff, nur weil er nicht zusammenbricht, irrt. Nachhaltige Zufriedenheit beginnt mit ehrlicher Selbstbeobachtung.
Jahreswechsel als Wendepunkt: Jetzt ist der Moment
Das Jahresende lädt wie kaum eine andere Zeit dazu ein, Bilanz zu ziehen. Was hat Energie gegeben? Was hat Kraft geraubt? Welche Sehnsucht meldet sich immer wieder? Wer sich diese Fragen ehrlich stellt, legt den Grundstein für eine tiefgreifende Veränderung.
Tipp:
Sich zwischen den Jahren eine ruhige Stunde Zeit nehmen und folgende Fragen schriftlich beantworten:
- Wie zufrieden bin ich auf einer Skala von 1–10 mit meinem beruflichen Leben?
- Was müsste passieren, damit ich auf eine 8 oder 9 komme?
- Welche ersten kleinen Schritte wären möglich, um mich in diese Richtung zu bewegen?
- Wer oder was kann mich dabei unterstützen?
Danach einen persönlichen «Plan 2026» skizzieren – keine To-do-Liste, sondern eine Vision. Und dann: darüber reden. Mit Menschen, die nterstützen. Vielleicht mit einem Coach (hier biete ich jeweils ein kostenloses Erstgespräch an – einfach auf meine Webseite gehen und Termin buchen). Oder mit jemandem, der den Weg schon gegangen ist (was ich ebenfalls von mir sagen kann).
Denn wer sich entscheidet, nicht mehr wegzuschauen, hat bereits den ersten Schritt aus der Sackgasse getan. Berufliche Zufriedenheit ist kein Zufall. Sie ist eine Entscheidung. Und der Jahresbeginn ist der beste Zeitpunkt, sie zu treffen.
Und hier mein Nachsatz:
Wer heute beginnt, sich ernsthaft mit seinen Werten, Sehnsüchten und Potenzialen auseinanderzusetzen, wird schon in einem Jahr zurückblicken – und dankbar sein, diesen Weg gegangen zu sein. Denn das Leben ist zu kurz für falsche Kompromisse. Und zu wertvoll für ein «Es ist halt so, wie es ist.»







