Sex ist die natürlichste Sache der Welt, sagt man gemeinhin. Nüchtern betrachtet sichert Sex unseren Fortbestand. Gerade in den vergangenen Jahren werden die Diskussionen offener geführt. Doch die Unsicherheit bei Mann und Frau bleibt. Nehmen wir unsere aktuelle, gegenwärtige Perspektive auf unsere Sexualität ein, scheint es alles, aber keine natürliche Sache zu sein. Tausende von Beziehungs-Ratgebern, Abertausende Ansätze und Leitfäden in diversen Internetforen, YouTube-Kanälen, die sich diesem Thema mehr oder weniger tiefgründig verschrieben habe, tragen wenig zur Entspannung bei. Eine, die sich in diesem Thema bestens auskennt und die Dinge richtig einordnen kann, ist Judith Staub, ihres Zeichens Sexualberaterin.
Ihre Erfahrung und Wissen teilte sie kürzlich mit Andy Wolf und dessen Hörern und Hörerinnen in der Morgenshow auf Radio Lozärn: «Es gibt verschiedene Wege, wie man Sexualberaterin wird. Mein weg führte über die normale Berufslehre, ich habe zwei Berufslehren gemacht, bin dann in die Kunsttherapie, das ist eine vierjährige Ausbildung mit dem therapeutischen Ansatz, den ich sehr wertvoll finde und den ich heute gerne in meinem Rucksack mit dabeihabe. Als ich dann die Masterarbeit schrieb, habe ich gemerkt, dass mich das Thema Sexualität interessiert. Und dann habe mich informiert, welche Art von Weiterbildungen es in diesem Bereich gibt».
Der gemeinsame Nenner ist ausschlaggebend
Bekanntlich sind die Bedürfnisse von Mann und Frau unterschiedlich gelagert. Zur Findung eines gemeinsamen Nenners empfiehlt Judith Staub folgendes Vorgehen: «Was ich grundsätzlich, auch an Vorträgen, immer wieder sage, ist, dass ich nicht gerne vom Wort Sex spreche. Denn wenn ich dir sage, ich hatte gestern Sex, dann hast du deine Fantasie im Kopf, wie man es kennt, Mann und Frau nackt, und die sitzen aufeinander. Wenn ich dir aber sage, ich hatte gestern ein Liebesspiel, dann sagt deine Fantasie hmm, was könnte das sein. Ich finde es ein Gewinn, nach der Kennenlernphase, wenn sich die Hormone abschwächen, mehr ins Thema hineinzugehen, wie könnten wir weitergehen, die Frau mehr auf der emotionalen Ebene und der Mann auf der körperlichen Ebene, wie können wir uns mehr finden, was können wir mehr voneinander lernen. Wie so ein Werkzeugkasten mit seinen Tools, heute habe ich Lust auf das oder das und was hätten wir noch. Lustlosigkeit kommt nämlich von Langeweile».
Es existiert viel Unwissen
Früher haben wir gelernt, über Sex spricht man nicht. Heute finden wir sexualisierte Werbung an jeder Bushaltestelle. Früher wurden wir kaum oder ungenügend an das Thema herangeführt, abgesehen von einem recht lückenhaften und schambehafteten Sexualkundeunterricht. Heute bauen wir unsere Vorstellung von Sexualität auf Inhalten sozialer Medien und Pornografie auf.
Den Reiz an ihrem Job sieht Judith Staub wie folgt: «Die Faszination an meinem Job ist meine Geschichte dahinter. Ich hatte immer den Glauben, dass Lustlosigkeit mit mir zu tun hat, es hat mich dazu getrieben, wo ich heute bin. Und die Faszination besteht darin, etwas mitzugeben, etwas zu ändern, denn es ist veränderbar. Auch im Kleinen. Für mich sind Menschen, die zurückkommen und sagen, wow, das ist etwas anderes, ich habe gemerkt, da geht etwas, mein Lohn, das freut mich sehr».







