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Marc Amacher über Blechgitarren, Blues und «The Voice»

Im Vodcast von Radio Lozärn spricht Andy Wolf im Studio in der Mall of Switzerland mit dem Musiker Marc Amacher über Blechgitarren, seine eindrückliche Gitarrensammlung und die Zeit nach «The Voice of Germany». Der schlagfertige Blues-Talk gewährt einen tiefen Einblick in das Leben des Vollblutmusikers zwischen Leidenschaft und Business.

Lorena ImfeldVon Lorena Imfeld · 8. September 2026

Marc Amacher sitzt mit einer Dobro im Radio-Lozärn-Studio in der Mall of Switzerland, als Andy Wolf das Gespräch eröffnet. Ob er die Gitarre nicht gerade zum ersten Mal in den Händen halte, fragt Wolf mit einem Augenzwinkern. Amacher winkt ab: Er habe fast jeden Tag ein Instrument in den Fingern, wenn es sich irgendwie einrichten lasse. Aus dieser Einstiegsfrage entwickelt sich ein langes Gespräch über Handwerk, Herkunft und Sichtbarkeit.

Warum eine Blechgitarre nach Blues klingt

Auf die Frage nach den Besonderheiten des Instruments erklärt Marc Amacher die Bauweise: Die Dobro ist eine Slide-Gitarre mit Blech-Resonator – wie ein umgekehrter Lautsprecher im Korpus. Die Konstruktion entstand aus der Not, um sich lautstark gegen Trompeten und Saxofone durchzusetzen. Aus dieser Suche nach mehr Wumms entwickelte sich einer der typischen Blues-Klänge. Wo genau dieser seine Wurzeln hat, bleibt für Amacher Ansichtssache. Andy Wolf kontert verschmitzt: In der Schweiz sei der Blues jedenfalls nahe Thun zu Hause.

Wertvoll ist das gold schimmernde Modell von Ortega für Amacher vor allem als Arbeitsgerät. Durch sein Endorsement bleibt die Gitarre bezahlbar – US-Modelle wären teurer. Dank magnetischer und akustischer Tonabnehmer lässt sich das Signal zweigleisig ausspielen. Bevor er zu tief ins Detail geht, bremst er sich schmunzelnd selbst: Er komme sich schon vor wie ein Dorfverkäufer.

Roadshow, offene Stimmungen und ein spontaner Gitarrenkurs

Für die Roadshow beschränkten sich die Musiker auf ein bis zwei Instrumente. Die Dobro war für Amacher gesetzt – Slide-Gitarre spielt er besonders gern. Den Unterschied zwischen normaler und offener Stimmung beschreibt er als zwei Paar Schuhe. Offene Stimmungen seien im Blues stark verankert: Man greift hinein und es klingt bereits. Das Prinzip sei intuitiv wie beim Klavier, von tief nach hoch – wer das versteht, spielt direkt.

Wie schnell das geht, zeigte sich auf der Tour: Bei einem Auftritt griffen Kinder spontan zu Gitarre und Bass, woraus sich direkt ein kleiner Kurs entwickelte. Auf Wolfs Anmerkung, dass Amacher als Musiklehrer dabei das Herz aufgehe, wenn Kinder physisch musizieren statt an der Konsole zu sitzen, stimmt dieser erfreut zu.

Zwischen Blockflöte und einer grossen Sammlung

Auf die Frage nach seiner Instrumentensammlung schätzt Amacher seinen Bestand auf 70 bis 100 Gitarren – verteilt auf Stube, Studio, Werkstatt, Auto und Lager. Nicht mal er selbst weiss es genau. Musikalisch vorgeprägt durch Urgrossvater und Vater, begann Amachers Weg unfreiwillig mit der Blockflöte. Obwohl der Lehrer ihm Talent bescheinigte, diente sie ihm nur als Mittel zum Zweck, um endlich Gitarre spielen zu dürfen. Für ihn gab es nie eine Alternative. Während im Studio heute fast alles digital erzeugt werden kann, gilt für Amacher ein anderes Prinzip: Man wählt ein Instrument, mit dem man gefühlsmässig verwächst. Es war keine bewusste Entscheidung, sondern eine magische Anziehung von Kindesbeinen an.

Blues als gemeinsame Wurzel

Auch der Zugang zum Blues sei früher da gewesen als das Bewusstsein dafür, erzählt Amacher. Gelaufen seien damals Pink Floyd, Black Sabbath oder die Rolling Stones, aus heutiger Sicht keine typischen Blues-Acts. Wer aber deren Wurzeln freilege, lande beim Blues, das gelte selbst für AC/DC. Und auch bei Kurt Cobain seien die Bezüge stark: Leadbelly habe lange vor Nirvana gespielt, weltweit bekannt geworden sei das Material erst später.

Später im Gespräch spannt Amacher den Bogen bis in die Schweiz. Blues und Gospel kämen stark aus der schwarzen Musik, doch wer weit genug zurückgehe, erkenne eine gemeinsame Vergangenheit mehrerer Bevölkerungsgruppen. Entstanden sei die Musik durch die Verbindung von allem, nicht auf der Basis einer einzigen Gruppe. Er sieht Brücken bis zur hiesigen Volksmusik: Läufe, Handorgeln, Löffelhölzer, Waschbretter und Zithern seien mit dem, was in Amerika passierte, durchaus verwandt. Amerikanischer Blues und Country seien dort das, was hier das Volkstümliche ist. Auch sprachlich gebe es solche Spuren, etwa in Gemeinschaften, in denen alte deutsche Ausdrücke konserviert wurden, die man hierzulande längst nicht mehr kennt.

Nach «The Voice of Germany»: Sichtbarkeit ist nicht Wertschätzung

Vor rund zehn Jahren trat Amacher bei «The Voice of Germany» an. Andy Wolf erinnert sich noch lebhaft an die Begeisterung der Jury und das Lob von Samu Haber (Sunrise Avenue). Amacher selbst blickt pragmatisch darauf zurück und beruft sich auf ein Freddie-Mercury-Zitat: „Nach dem Gig ist vor dem Gig.“ Ein grosser Fernseherfolg sei zwar schön, doch die Reise gehe danach direkt weiter.

Die TV-Präsenz habe seinen Namen und seine Ausstrahlung zwar nachhaltig verändert, doch Präsenz in Millionen Wohnzimmern bedeute nicht automatisch nachhaltiges Interesse an der eigenen Musik. Früher habe man nach geliebten Künstlern gesucht, heute werde das Publikum passiv bespielt – wer nicht ständig im Feed auftaucht, verschwindet aus dem Bewusstsein.

Zudem leide die Wertschätzung unter der ständigen Verfügbarkeit: Weil Musik auf Streamingdiensten mühelos und ohne Aufwand konsumiert werden kann, geht das Gefühl für ihren eigentlichen Wert verloren. Angesichts von hunderten tausenden neuen Songs täglich sei es extrem schwer geworden, als Musiker nicht in der Masse unterzugehen. Zehn Jahre nach dem Durchbruch gelten für Amacher im Kern noch dieselben Werte – ergänzt um die reale Herausforderung, wie man langfristig von der Musik leben kann, wenn der Weg zurück in einen normalen Beruf nach so langer Zeit kaum mehr möglich ist.

Gitarren-Talk: Blues-Musiker Marc Amacher und Moderator Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.
Gitarren-Talk: Blues-Musiker Marc Amacher und Moderator Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.

Handwerker, Familienvater und ein Leben ohne Work-Life-Balance

Amacher ist gelernter Handwerker und man sieht es auf seinen Videos: Er flickt sein Fahrzeug selbst. Sommerpneus habe er in der Roadshow-Saison schlicht nicht mehr geschafft, das liege nicht am Können, sondern am Budget und an der Zeit. Ein Cousin, jahrelang Autoverkäufer, halte seine Art zu reisen für gewagt, weil kaum jemand mit einem so alten Wagen stundenlang durch Europa fahren würde. Ihm sei es genau so lieber, sagt Amacher: Er wisse, woran er ist und finde in den meisten Fällen eine Notlösung, um nach Hause zu kommen. 

Mit dem Begriff Work-Life-Balance kann er wenig anfangen. Seinen Platz in der Struktur, die das Leben vorgibt, habe er nie gefunden, sagt er auf Nachfrage. Er und seine Frau kamen sehr früh zusammen, kurz nach der Lehre kam das erste Kind, dann das zweite. An finanzielle Sicherheit habe man nie denken können. Zum Geburtstag gab es einen neuen Hut, von der Frau selbst gemacht. Auch die getönte Brille hat einen praktischen Grund: Bei hellem Licht auf der Bühne und bei nächtlichen Fahrten im Regen bekommt er innert Minuten starke Kopfschmerzen.

Erfolg, Roadshow und der Traum von Amerika

Was Erfolg für ihn bedeute, fragt Andy Wolf. Es helfe, Sichtbarkeit zu erzeugen und sei eine Bestätigung für die Arbeit, antwortet Amacher. Er sei dankbar, wenn Leute zuhören und nehme daraus mit, dass sich Weitermachen lohnt. Beim Handwerk selbst bleibe er ohnehin derselbe. Angesprochen auf einen deftigen Ausdruck, der im englischen Text mehrfach vorkommt, verweist er darauf, dass es ein bewusster Anstoss sei. Die Roadshow sei kein reines Werbevehikel gewesen, sondern eine Ansage: Man ist da, man lässt sich das nicht nehmen. Früher hat er auch ein Album auf Berndeutsch veröffentlicht, damals unter dem Namen Blues-Macher, digital erschienen ist es nie.

Amerika bleibt ein Thema. An einer Musikmesse, an der ausschliesslich Fachpublikum teilnimmt, spielte er die neue Ortega vor, während nebenan ein grosser Verstärkerhersteller technisch versierte Gitarristen auffuhr. Vor seinem Stand tanzten die Leute und er hatte den Eindruck, dass sie die Herkunft der Musik und die Texte verstanden. Das habe den Traum am Leben gehalten. Nun arbeite man an einem Künstlervisum, um drüben zu spielen.

Lorena Imfeld

Lorena Imfeld

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