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Vom Sporteinkauf zur Firmengründung: Christoph Gasches Weg mit CIIB

Im Radio-Lozärn-Vodcast von Andy Wolf ist ein Gast zu hören, dessen Firmenname erklärungsbedürftig ist: CIIB. Gleich zu Beginn will Andy wissen, wofür die vier Buchstaben stehen. Christoph Gasche, Eigentümer und Mitgründer, löst auf: Es sei ein Fantasiename, das C stehe für creative, die beiden I für inspiring und innovative, das B für brave. Als kleine bis mittelgrosse Firma müsse man laufend mutig sein und sich neu erfinden, sagt er. Den E-Commerce-Markt bezeichnet er im Gespräch einmal als Haifischmarkt.

Lorena ImfeldVon Lorena Imfeld · 2. September 2026

Vom Sporteinkauf nach Luzern

Auf die Frage nach dem Angebot von CIIB holt Gasche weit aus und blickt auf seinen Lebenslauf zurück. Aufgewachsen im Kanton Solothurn mit Wurzeln im Berner Oberland, prägte ihn schon früh das Unterwegssein – das Streben, Arbeit und Reisen zu verbinden, zieht sich seither durch sein Leben.

Nach einer kaufmännischen Lehre und ersten Stationen im Sporteinkauf arbeitete er mit 20 als Barkeeper im Luzerner Penthouse, um sich eine Amerikareise und einen Sprachaufenthalt zu finanzieren. Dort lernte er eine Luzernerin kennen, zog nach Luzern und heuerte bei Athleticum an. In sieben Jahren stieg er dort vom Produktmanager bis in die Geschäftsleitung auf. Es folgte eine einjährige Auszeit mit Rucksackreisen durch Zentralamerika sowie einer Weltreise. Zurück in der Schweiz heuerte er bei Digitec Galaxus an und baute Sortimentsbereiche wie Sport, Fashion sowie Do it & Garten von Grund auf mit auf – eine intensive Zeit, die erneut mit vielen internationalen Geschäftsreisen verbunden war.

Die Idee beim Burger in Zürich

Gasches letzte Anstellung war bei Intersport Schweiz als Leiter E-Commerce, wo er den Omnichannel-Bereich verantwortete. Der Wechsel war auch privat motiviert durch den Wunsch, von Luzern Richtung Bern zu ziehen. Obwohl der Gedanke an die Selbstständigkeit schon länger präsent war, hielten ihn spannende Aufgaben und die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses zunächst davon ab.

Den Ausschlag gab schliesslich die wiederkehrende Frage, wie sich Produkte schnell, effizient und qualitativ hochwertig online bringen lassen. Die Idee für eine digitale Servicefirma für E-Commerce pitchte Gasche seinem heutigen Geschäftspartner Brani bei Burger und Cola in Zürich. Dieser war sofort überzeugt, worauf die beiden Ende 2019 die Firma in der Schweiz gründeten. Der operative Start folgte im Februar 2020 direkt nach dem Ende von Gasches Vertrag bei Intersport. Dass er Intersport als ersten Kunden mitnehmen konnte und bis heute betreut, verbucht er als besondere Wertschätzung.

Firmenstart mit Handdesinfektionsmittel im Gepäck

Zwischen Gründung und operativem Start reiste Gasche für drei Wochen nach Südafrika. Auf dem Rückweg las er erste Meldungen über eine aufziehende Pandemie – zurück in der Schweiz war die Welt eine andere.

Damit stand die Grundsatzentscheidung an: Durchstarten oder abbrechen. Die Gründer zogen es durch, was sich rückblickend als richtig erwies. Zwar erschwerten die Reisebeschränkungen den Aufbau der geplanten Tochterfirma in Belgrad, doch die Lösung war eine von Beginn an hybrid ausgerichtete Organisation mit Büros an beiden Standorten. Tools und Prozesse wurden konsequent auf ortsunabhängiges Arbeiten ausgelegt, was sich im Nachhinein als grosser Vorteil herausstellte.

Warum Belgrad und wie zwei Arbeitskulturen zusammenfinden

Warum ausgerechnet Serbien? Gasche verweist auf eigene Erfahrungen: Belgrad biete viele Deutschlernende, ein grosses Talentangebot sowie faire Löhne – dieser Mix habe den Ausschlag gegeben. Zahlen oder Belege nennt er im Gespräch nicht.

Herausfordernder war das Zusammenwachsen der Arbeitskulturen. Die Schweizer Seite sei sehr korrekt, pünktlich und genau, während in Serbien neben dem Job stärker gelebt werde. Dank seines Geschäftspartners, der beide Welten kannte, sowie durch Learning by Doing wurden diese Differenzen überbrückt. Aus der Kombination von Schweizer Präzision und serbischer Kreativität entstand schliesslich eine der grössten Stärken der Firma. Auch die Ferienplanung mit Kunden musste erst austariert werden.

Die Aufgabenteilung ist heute klar: Kundenbeziehungen, Sales, Marketing, Finanzen, IT und ein grosser Teil der Projektleitung laufen aus der Schweiz, ein grosser Teil der Umsetzung über die Tochterfirma in Belgrad. Finanziert wurde alles aus eigenen Mitteln und aus dem Geschäft heraus, ohne Investor. Und, das betont Gasche auf die Frage nach den monatlichen Lohnzahlungen, bisher musste niemand aus wirtschaftlichen Gründen entlassen werden.

KI im Team: Weiterbilden statt Angst schüren

Der Druck im Markt steigt, vor allem durch künstliche Intelligenz, die auch Kunden längst einsetzen. Vor rund drei Jahren entschied sich CIIB, ein eigenes Tool für Produktdaten und Content Creation zu entwickeln, seit gut einem bis anderthalb Jahren investiert das Unternehmen im Rahmen seiner Möglichkeiten in KI. Die Positionierung beschreibt Gasche als digitale Firma mit klarem KI-Fokus und zugleich einem grossen Fokus auf den Human Touch: Automatisierte Prozesse, aber für jede Dienstleistung Fachleute im Hintergrund. Denn während einige Kunden Massenprodukte online stellen wollen, verlangen andere im Content-Bereich ausdrücklich, dass weiterhin Copywriter und Übersetzerinnen dahinterstehen.

Andy Wolf spricht an, was viele beschäftigt: Bisher habe KI offenbar keinen Arbeitsplatz gekostet, aber könne sie das nicht noch tun? Gasche argumentiert, es gehe weniger um wegfallende Stellen als darum, neue Bereiche aufzubauen und flexibler zu werden. Mitarbeitende sollen lernen, mit KI zusammenzuarbeiten, damit am Ende eine Rundum-Dienstleistung entsteht. Entsprechend setzt die Firma auf Weiterentwicklung und Schulungen. Die Angst, dass die Technologie den eigenen Job kostet, sei bei fast allen präsent. CIIB gehe deshalb einen anderen Weg: Bei der Entwicklung eigener Lösungen und beim Thema KI-Agenten werden die Teams von Anfang an einbezogen und entwickeln mit. So entstehe ein anderes Verständnis, und die Mitarbeitenden erhielten ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.

Christoph Gasche zu Gast bei Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.
Christoph Gasche zu Gast bei Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.

Das Angebot: Von der Shop-Entwicklung bis zum After-Sales

Gestartet mit Produktdatenmanagement für Intersport, versteht sich CIIB heute als 360-Grad-Dienstleisterin entlang der E-Commerce-Journey – primär für KMU. Das Angebot reicht von Shop-Entwicklung und -Beratung über Content-Erstellung bis zu Betrieb, Marketing und Customer Service. Die Leistungen werden in-house in vier Sprachen erbracht und sind modular buchbar. Den Unterschied zu Massenanbietern sieht Gasche in der Qualität und der individuellen Anpassung an Kundenwerte. Wunschkunden sind vor allem inhabergeführte KMU, mit denen langfristige Partnerschaften angestrebt werden.

Zum Onlinehandel betont Gasche, dass schnellere Checkouts auch das Missbrauchsrisiko erhöhen, weshalb Datenschutz zentral sei. Der Konkurrenz aus Fernost begegnen Schweizer Retailer am besten durch Vertrauen, starken Customer Service und After-Sales.

Loslassen, Sichtbarkeit und ein Bed and Breakfast

Auf die Frage, ob er sich nie in den sicheren Hafen zurückgewünscht habe, räumt Gasche ein, dass es solche Momente für beide Gründer mehr als einmal gab. Bei abendlichen Treffen mussten sie sich gegenseitig neu motivieren. Das Wachstum erfolgte bewusst organisch und ohne Investor – langsamer, aber selbst aufgebaut. Inzwischen zieht sich die Gründerebene schrittweise aus der operativen Führung zurück: In der Schweiz verantwortet ein Commercial-Chef den Bereich, in Belgrad leitet eine COO das operative Geschäft, und ein CEO übernimmt die Gesamtführung. Gasche will sich nach Jahren intensiver Arbeit aus dem Tagesgeschäft lösen, um Zeit für strategische Fragen wie den Umgang mit KI und die internationale Aufstellung für die nächsten zehn Jahre zu gewinnen.

Ein Schwachpunkt war bislang die Bekanntheit. CIIB wuchs vor allem über Gasches Netzwerk und Mund-zu-Mund-Empfehlungen. Da potenzielle Kunden bereits fragten, warum ein Anbieter mit diesem Leistungsumfang nicht grösser sei, wird nun gezielt in Marke, Personal Branding und Marketing investiert. Dabei soll nicht nur eine Einzelperson stehen, sondern das gesamte Team sichtbar werden, um im B2B-Bereich Vertrauen zu schaffen.

Ruhiger wird es für den Unternehmer dennoch nicht: Vor eineinhalb Jahren gründete er die X-Bike AG, die im Frühling 2025 den ersten Cube Brandstore in Schwarzenburg eröffnete. Zudem schloss er Ende vergangenen Jahres seinen Master in Leadership und Management ab, wobei ihm besonders ein Projekt für junge Unternehmer in Sri Lanka im Gedächtnis blieb. Wirtschaftliches Handeln mit sozialem Engagement zu verbinden, bleibt für ihn zentral. Privat teilen er und seine Partnerin den Traum, irgendwann ein kleines Bed & Breakfast zu führen – Wirtshausgast Andy Wolf hat sich dafür bereits angekündigt.

Lorena Imfeld

Lorena Imfeld

Als Content Creator ist Lorena verantwortlich für die Gestaltung von Reportagen, Ads und digitalen Formaten. Sie verleiht unseren Kundinnen und Kunden einen modernen Auftritt und achtet dabei auf ein klares, strukturiertes Design. So verbindet sie Inhalte mit einer ansprechenden Optik, die das Publikum direkt erreicht. So entstehen Beiträge, die inhaltlich wie visuell überzeugen.

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