Radio LozärnInserieren
StartVodcastLinda Fäh: Vom Schlager zur Mundart mit «Heimat im Herz»

Linda Fäh: Vom Schlager zur Mundart mit «Heimat im Herz»

Lorena ImfeldVon Lorena Imfeld · 2. September 2026
Sie kennt die grossen Schlagerbühnen in Deutschland, die Fernsehstudios und den Terminkalender, der keine freien Tage kennt. Und trotzdem heisst das neue Album von Linda Fäh «Heimat im Herz» und ist auf Mundart. Im Vodcast von Radio Lozärn erzählt die Sängerin und Moderatorin dem Moderator Andy Wolf, wie es zu diesem Kurswechsel kam, warum sie sich noch nie so frei gefühlt hat und was ihr Sohn davon mitbekommt.

Heimat durch Kinderaugen neu entdeckt

Gleich zu Beginn will Andy Wolf wissen, wie viel Heimat die Sängerin denn mitbringe. Sie lebe gerne hier und entdecke das Land immer noch. Seit sie vor dreieinhalb Jahren Mutter geworden sei, geschehe das auf eine völlig neue Art: Über Spielplätze, über Kinderaugen. Ein Schmetterling auf einer Blume, ein Bagger auf der Baustelle, Dinge, die man als Erwachsene längst nicht mehr wahrnehme, brächten sie heute dazu, zehn Minuten stehen zu bleiben. Über Traktoren und Baumaschinen wisse sie mittlerweile erstaunlich viel, sagt sie lachend. Rund eineinhalb Jahre arbeitete sie am Album. In dieser Zeit habe sie auch die Schweizer Musik für sich neu entdeckt.

Ländlermusik im Elternhaus, Anastasia im Jugendzimmer

Musikalisch aufgewachsen ist Linda Fäh mit Volksmusik und Schlager. Ihr Vater hatte früher eine Unterhaltungsband, spielte Schweizerorgel und Handorgel und sang im Jodelclub. Bei ihren Eltern zu Hause laufe im Radio auch heute noch fast den ganzen Tag Ländler und Schlager. Sie sei sehr heimatverbunden aufgewachsen, sagt sie, habe aber lange nicht das Bedürfnis gehabt, das in die eigene Musik einzubringen. Das sei erst jetzt gekommen.

Als Teenagerin war sie Fan von Patrick Lindner. Karl Moik habe sie als Kind schauen dürfen, das sei eine der ersten Sendungen gewesen, die sie sehen durfte. Daneben hörte sie aber auch ganz anderes, etwa Anastacia. Wie gross diese Begeisterung war, zeigte sich 2019 beim Schlagerboom von Florian Silbereisen: Die Sängerin kam als Überraschungsgast, lief backstage an den wartenden Künstlerinnen und Künstlern vorbei, und Linda Fäh schoss es die Tränen in die Augen. Ein Foto habe sie sich trotzdem noch getraut zu erfragen, ein reiner Fangirl-Moment.

Wo die eigene Stimmfarbe hinpasst

Auf die Frage, ob die Stimmlage für eine Sängerin entscheidend sei, differenziert Linda Fäh: Wichtig sei vor allem, welche Art Musik man mache. Mit 13 begann sie mit Gesangsstunden, probierte damals alles aus, Alicia Keys, Songs von Anastasia, wohlwissend, dass sie diese Stücke nie auf einer Bühne singen würde. Genau dadurch aber habe sie gelernt, wo sie sich wohlfühlt, was sie kann und was nicht. So habe sie ihren Platz im Schlager gefunden. Die Mundart sei nun eine ganz neue Erfahrung:

«Ich habe mich selber im Tonstudio neu entdeckt.»

Warum aus Hochdeutsch Mundart wurde

Andy Wolf hakt nach, was es gebraucht habe, um vom Hochdeutschen und dem breiteren Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum eigenen Dialekt zu wechseln. Die Zeit in Deutschland habe sie sehr genossen, sagt Linda Fäh, produziert wurde jahrelang mit einem Team in Hamburg. Verändert habe sich etwas mit dem Muttersein. Man verbringe plötzlich wieder mehr Zeit im Elternhaus, wolle dem Kind zeigen, wo man selber aufgewachsen ist. Vieles, was ihr Sohn bei den Grosseltern erlebt, habe sie an die eigene Kindheit erinnert.

Dazu kam eine nüchterne Erkenntnis: Rund 90 Prozent ihrer Auftritte finden in der Schweiz statt. Also stellte sie sich die Frage nach dem Inhalt. Die Antwort hiess Heimat, und damit fing für sie alles bei der Mundart an. Es habe immer in ihr geschlummert, sagt sie, jetzt sei sie bereit, es herauszulassen. Zehn, dreizehn Jahre lang sei sie einer Vision nachgerannt, die mit Deutschland zu tun hatte. Heute wolle sie nicht mehr von einer Bühne in die nächste und ins nächste Flugzeug, sondern Zeit mit Kind und Familie verbringen.

Dass Deutschland deswegen die Türen schliesse, hat sich nicht bestätigt. Nach dem ersten Zeitungsartikel über ihre Rückkehr zu den Wurzeln meldete sich laut Linda Fäh fast als Erstes das Team der deutschen Produktion um Florian Silbereisen und wollte in die Songs hineinhören. Drei Wochen vor dem Podcast-Gespräch trat sie in der ARD-Sendung «Immer wieder sonntags» mit dem Mundart-Titel «Heimat im Herz» auf. Am Ende zähle gute Musik, Geschichten rund um die Musik und ein Bild, in dem alles zusammenpasst, sagt sie. Und genau das passe jetzt so gut wie noch nie, weil es ehrlich sei.

Der Jodel auf dem Titelsong und die Arbeit mit den Produzenten

Beim Titelsong wirkt Bernhard Betschart aus dem Muotatal mit, bekannt vom Projekt Heimweh. Im Studio, wo sie das Album mehrheitlich mit Produzent Patrick Scott erarbeitete, war schnell klar: Zum Örgeli brauchte es noch einen Jodel. Betschart sagte zu, kam ins Studio, und zu dritt suchten sie nach der passenden Form. Vor Ort entstand die Idee, dass Linda Fäh am Schluss mitjodelt. Da habe sie zuerst zu schwitzen begonnen und einen Crash-Kurs verlangt, erzählt sie. Betschart, der selber Workshops gibt, gab ihr ein paar Tipps, schliesslich singe sie seit zwanzig Jahren und wisse, wie man mit der Stimme arbeitet. Das gemeinsame Finale gibt es auch als Video auf Instagram zu sehen.

Bei der ersten Single, in der es um ihr kleines Heimatdorf geht, arbeitete sie mit Marco Blickensdorfer zusammen, der aus einer anderen musikalischen Ecke kommt. Getroffen hätten sie sich 2024 backstage, danach habe sie die Idee vier Monate mit sich herumgetragen, bis sie ihn beim Kaffee fragte, ob er Lust habe, das gemeinsam anzugehen. Er sei dafür bekannt, moderne Songs in ein Schweizer Gewand zu packen, sagt sie. Aus drei gemeinsamen Songs wurde ein Jahr Zusammenarbeit; Blickensdorfer beriet sie auch bei der Positionierung rund um die Mundart. Zehnmal hätten sie sich im vergangenen Jahr getroffen, manchmal für eine Stunde, manchmal für fünf.

Das zeigt sich auch optisch. Gemeinsam gingen sie durch, was von der Linda Fäh der letzten 15 Jahre bleibt, was dazukommt und was wegfällt. Herausgekommen ist eine bewusst schweizerische Bildsprache mit Jeans und Spitze. Der Kontakt zur Designerin Elena Maiset von Birds of Love Fashion ergab sich über eine Edelweiss-Bluse für einen Auftritt rund um das Eidgenössische Schwingfest. Heute entstehen dort die neuen Bühnenoutfits.

Linda Fäh zu Gast bei Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.
Linda Fäh zu Gast bei Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.

Ohne Label produziert

Hinter dem Projekt stehe kein Label, und sie habe ohne Management angefangen, sagt Linda Fäh: Nur sie und die beiden Produzenten. Alles habe sie selber entscheiden können, niemand habe vorgegeben, wie etwas zu klingen habe. So frei habe sie sich noch nie gefühlt.

Vom Schlager verabschiedet sie sich deswegen nicht. Sie nenne ihre neue Musik Mundart-Schlager, und ihr Anspruch sei gewesen, dass die Songs auf der Schlagerbühne funktionieren. Dort sei sie zu Hause, dort liebe sie das Publikum, das auch bei Regen stundenlang vor der Bühne stehe. Eingespielt wurde das Album mit Live-Musikern: Handorgel, Schlagzeug, Gitarre, Cello. Ziel war, dass es nach einer Live-Band klingt und sich in unterschiedlichen Formationen auf sehr verschiedenen Bühnen spielen lässt.

Vom Miss-Schweiz-Jahr zur Markenbotschafterin

Auf das Miss-Schweiz-Jahr 2009 angesprochen, versteckt Linda Fäh nichts. Viele Menschen erzählten ihr bis heute, dass sie damals mitgefiebert und mitgewählt hätten. Dass es den Wettbewerb nicht mehr gibt, bedauert sie nicht: Wäre er noch zeitgemäss, gäbe es ihn noch. Dankbar sei sie trotzdem, denn der Titel war ihr Sprungbrett ins Showbusiness und machte sie mit 21 landesweit bekannt.

Der Alltag danach war ein Sprung von null auf hundert. Im ersten Monat habe sie keinen einzigen freien Tag gehabt, jeder Tag sei durchgetaktet gewesen: Shootings bis nachts um drei, am Morgen weiter, Termine in Zürich, Luzern und im Aargau am selben Tag. Als Landei, das noch nie mit dem Auto in Zürich unterwegs war und ohne Navigationsgerät auskommen musste, habe sie geschwitzt. Rückblickend nennt sie es eine totale Lebensschule, in diesem Jahr sei sie erwachsen geworden.

Als Model habe sie nie gearbeitet, stellt sie klar, Laufsteg schon gar nicht. Weil ihr Gesicht und ihr Name bekannt waren, sei sie von Anfang an als Markenbotschafterin gebucht worden. Solche Kooperationen macht sie bis heute, versucht sie aber möglichst mit der Musik zu verbinden. Eine neue Ankündigung kündigt sie für Anfang September 2026 an. Die Moderation, mit der ihre Laufbahn eigentlich begann, ist heute nur noch ein kleiner Teil ihrer Arbeit. Auf der Bühne als Sängerin könne sie sich ausleben, während sie beim Moderieren immer eine Firma oder ein Drehbuch vertrete.

Familie als Anker, Dankbarkeit als Wert

Ihr Partner habe ihr stets die Freiheit gelassen, auch damals, als sie ihn dreimal allein in den Ferien zurückliess, um kurzfristig für eine Fernsehsendung nach Deutschland zu fliegen. Er arbeite ebenfalls 100 Prozent, treibe Sport als Ausgleich und sei in jeder freien Minute für die Familie da. Ohne ihn und ohne die Unterstützung der Grosseltern würde das Pensum nicht funktionieren.

Ihr Sohn, der im Dezember vier wird, bekommt inzwischen einiges mit. Er durfte im Sommer einen Fernsehauftritt seiner Mutter schauen und war dieses Jahr das erste Mal an einem Konzert, wo er auf den Schultern des Vaters mitklatschte und am Schluss mit den anderen Kindern vor der Bühne mittanzte. 

Bei den Werten wird sie konkret: Kommunikation, alle Gefühle dürfen sein, Offenheit und vor allem Dankbarkeit, auch für kleine Dinge. Das habe sie von ihren Eltern mitbekommen und wolle sie weitergeben. Bodenständig aufwachsen heisse für ihren Sohn Bauernhof, Garten, Rasenmähen.

Die nächsten Termine und die Tour

Am 26. September 2026 steht Linda Fäh an der Schlagershow in der Festhalle Willisau auf der Bühne. Dort mischt sie noch ältere hochdeutsche Songs mit den bisherigen Mundart-Singles, kündigt im Podcast aber an, einen vierten, noch unveröffentlichten Album-Song erstmals zu präsentieren. Die Album-Release-Show ist als Brunchshow am 16. Januar 2027 im Bächlihof der Juckerfarm in Rapperswil geplant, mit Spielplatz und Bauernhof für Familien und erstmals mit voller Live-Band. Am 20. Januar 2027 folgt ein Auftritt im Stadtkeller, dort im Trio und mit dem kompletten Album.

Parallel dazu läuft die Vorbereitung der schweizweiten Tour: Gespräche mit Partnern und Lokalen, die Zusammenstellung der Band, das Showkonzept. Bis Dezember muss alles stehen, damit noch geprobt werden kann. Es gehe schneller, als man denke, sagt sie. Andy Wolf zitiert zum Abschluss den Satz aus ihrer Ankündigung, wonach sie sich nicht neu erfinde, sondern bei sich selber ankomme. Dem stimmt Linda Fäh zu.

Diese Folge ist Teil des Radio-Lozärn-Vodcasts mit Andy Wolf, alle Episoden sind auf radio-lozärn.ch zu finden.

Lorena Imfeld

Lorena Imfeld

Als Content Creator ist Lorena verantwortlich für die Gestaltung von Reportagen, Ads und digitalen Formaten. Sie verleiht unseren Kundinnen und Kunden einen modernen Auftritt und achtet dabei auf ein klares, strukturiertes Design. So verbindet sie Inhalte mit einer ansprechenden Optik, die das Publikum direkt erreicht. So entstehen Beiträge, die inhaltlich wie visuell überzeugen.

Mehr Beiträge von Lorena Imfeld →