Ein Forschungsteam der Hochschule Luzern untersucht mit einer Langzeitstudie seit dem Frühjahr 2020, wie sich das Konsum- und Freizeitverhalten der Schweizer Bevölkerung durch Corona verändert. Jetzt liegen die Ergebnisse der vierten Messung vor. Die Resultate zeigen: Corona wirkt als Beschleuniger von Veränderungen, die schon vorher begonnen haben. Einige neue Verhaltensweisen haben sich in der Bevölkerung bereits etabliert.

Der erste Lockdown im Frühling 2020 hat die Schweizer Bevölkerung gezwungen, ihr Konsum- und Freizeitverhalten kurzfristig zu verändern. Dies hat – teils erzwungen, teils durch eine Bewusstseinsänderung – da und dort zu einem nachhaltigeren Verhalten geführt, wie die erste Befragung von mehr als 1’000 Personen gezeigt hat. Jetzt, ein Jahr später, lassen sich erste Schlüsse ziehen, wie dauerhaft die Verhaltensänderungen sind. Stellt sich eine neue Normalität ein? Oder sorgt ein Jojo-Effekt dafür, dass bald wieder alles beim Alten ist?

Mehr in der Natur, mehr kochen und backen

Beim Freizeitverhalten haben sich einige Verhaltensweisen, die durch den ersten Lockdown ausgelöst wurden, inzwischen etabliert. So haben insbesondere sogenannte «Slow»-Aktivitäten im Leben der Befragten dauerhaft an Bedeutung gewonnen – zum Beispiel in der Natur unterwegs sein, kochen und backen oder Zeit mit der Familie verbringen. «Offenbar haben sich viele Menschen schon vor Corona nach einer gewissen Entschleunigung gesehnt – die Pandemie war nun der Anlass, um diesen persönlichen Wandel einzuläuten», sagt Dominik Georgi, Co-Studienleiter und Konsumentenforscher an der Hochschule Luzern.

Die befragten Personen gaben zudem an, dass sie seit dem ersten Lockdown ihre Arbeit mehr zu schätzen wissen. «Eine sichere Arbeitsstelle zu haben, ist besonders in Krisenzeiten ein grosses Privileg. Dessen sind sich während der Pandemie viele bewusst geworden», so Georgi. Dies muss allerdings nicht von Dauer sein: «Wenn die Pandemiestimmung verfliegt, kann durchaus wieder der Wunsch nach mehr Dynamik in Job und Karriere erwachen.»

Ferien: Zurückhaltung beim Verreisen nimmt ab

Die Schweizer Bevölkerung will wieder vermehrt verreisen. Nur 30 Prozent der befragten Personen haben in den nächsten zwölf Monaten gar keine Ferien geplant. Im letzten November waren es noch 47 Prozent. Heute planen rund die Hälfte (54 Prozent) aller Befragten in den nächsten zwölf Monaten Ferien in der Schweiz, etwas mehr als ein Drittel hat vor, ins europäische Ausland zu verreisen. Nach Übersee zieht es derweil nach wie vor wenige – nur gerade zehn Prozent der Bevölkerung hat vor, in den nächsten zwölf Monaten Ferien ausserhalb Europas zu verbringen.

«Das liegt in erster Linie daran, dass bei Überseereisen nach wie vor viele Restriktionen und Unsicherheiten bestehen», sagt Dominik Georgi. Die Reiselust in der Bevölkerung scheint sich per se durch Corona nicht verringert zu haben. Ausschlaggebend für die Reisepläne sind laut der Einschätzung von Georgi in erster Linie die pandemiebedingten Einschränkungen.

Regionale Produkte und kleine Läden im Trend

An Beliebtheit gewonnen haben seit Pandemiebeginn die Bäckereien, Metzgereien, sowie Quartier- und Bauernhofläden. Laut den Studienautoren ist das Ausdruck eines Trends zum Einkauf von regionalen Produkten, der schon weit vor Corona begonnen hat und in den in den letzten zwölf Monaten verstärkt wurde. «Während der Pandemie arbeiten viele Menschen im Homeoffice, dadurch haben sie mehr Zeit, auch einmal auf einem Bauernhof oder auf dem Wochenmarkt einzukaufen», sagt Marcel Zbinden, Co-Studienautor und Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Luzern.

Um regionale Lebensmittel einzukaufen, müsse man aber nicht zwingend direkt zum Produzenten, solche Produkte gibt es auch im Supermarkt. Zbinden: «Die Bauernhofläden müssen sich wohl darauf einstellen, dass die Kundenzahlen wieder etwas zurückgehen werden, auch wenn die Vorsätze der Konsumentinnen und Konsumenten etwas anderes erahnen lassen.»

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