Radio LozärnInserieren
StartVodcastMarco Rima über Ensemble, Investoren und Bastian Baker

Marco Rima über Ensemble, Investoren und Bastian Baker

Im Gespräch mit Moderator Andy Wolf gibt Marco Rima im Vodcast von Radio Lozärn persönliche Einblicke in die Neuauflage seines Musicals «Keep Cool». Er erzählt, warum die Produktion für ihn einst zum Wendepunkt wurde, weshalb er heute bewusst Verantwortung abgibt und was ihn nach dem Ende der Tournee erwartet. Dabei spricht Rima auch über seine Anfänge, das Älterwerden im Showbusiness und die Frage, was ihm abseits der Bühne wichtig ist.

Lorena ImfeldVon Lorena Imfeld · 23. September 2026

Andy Wolf begrüsst seinen Gast als «the one and only» und will wissen, ob der Name Marco Rima nicht doch ein Künstlername sei, so kurz und so griffig, wie er klinge, doch der Gast winkt ab: Er heisse tatsächlich so, mit vollem Namen Marco Antonio Rima. Lange habe er geglaubt, der zweite Vorname gehe auf Marcus Antonius zurück. In Wahrheit habe seine Grossmutter den heiligen Antonius verehrt. Dass der Name auf Plakaten und in Ansagen so gut funktioniert, sei ein Glücksfall, den er zu schätzen wisse. In der Schule sei der Nachname allerdings auch schon mal zum Reimmaterial geworden, wenn eine Prüfung nicht gut herauskam.

Vom Familientisch auf die Bühne

Auf die Frage nach seiner Freude an der Wortspielerei verweist Rima auf sein Elternhaus. In seiner Familie sei viel erzählt worden, sein Grossvater sei ein grosser Geschichtenerzähler gewesen. Genau so verstehe er heute seinen eigenen Beruf: Geschichten erzählen, humorvoll und manchmal etwas überdreht. 

Seine Karriere begann als Duo "Cabaret Marcocello". An Schulen klopften sie an und fragten, ob sie kurz etwas zeigen dürften. An der Universität Bern erreichten sie so an einem Abend rund 300 eingeladene Gäste, am nächsten Tag kamen 300 zahlende. Für das junge Duo war das ein grosser Erfolg. Ob es früher besser war, verneint Rima: «Es war nicht besser, es war anders.»

Dass Videos wie "der Erlkönig" oder die "Sportreportage – das Lauberhorn" noch heute geschaut werden, freut ihn. Erwachsene erzählten ihm, sie hätten den Erlkönig in der Schule lernen müssen. Spuren zu hinterlassen, sei schön. Gleichzeitig blickt Rima gelassen auf die jüngere Generation: Jetzt seien andere an der Reihe und er schaue ihnen gerne zu.

Warum «Keep Cool» aus der Mottenkiste zurückkehrt

Das Musical «Keep Cool» stammt aus den 1990er-Jahren und war ursprünglich ein Hobbyprojekt. Im Casinotheater Zug kamen 17 Vorstellungen zustande, das Publikum reagierte so gut, dass eine erste Tour folgte, unter anderem mit Sandra Studer und Kati Farkas.

Für Rima wurde die Produktion zum Wendepunkt: Über «Keep Cool» wurde er für das deutsche Fernsehen entdeckt, daraus entwickelte sich seine deutschsprachige Karriere. Gleichzeitig erinnert er sich an die schwierige Seite: Trotz ausverkaufter Häuser habe man aufpassen müssen, nicht Konkurs anzumelden. Später entstanden daraus seine Soloprogramme «Think positive», «Time out», «Patienten» und «No limits», die stets mit seinem eigenen Leben verbunden waren.

Die Neuauflage ist keine einfache Rückkehr zur alten Geschichte. Gemeinsam mit Regisseurin Isabelle Flachsmann wurde «Keep Cool» massiv überarbeitet. Im Zentrum stehen heute Castingshows, Ruhm und die Frage, was wichtiger ist: Fame oder Liebe. Die Botschaft lautet, die Maske fallen zu lassen und sein wahres Gesicht zu zeigen. Verkörpert wird dies auch durch die Jurorenfigur Chiquita Di, gespielt von Danny Bill, die sich als Travestiekünstlerin demaskiert. Damit greift Rima einen Rat seines Vaters auf: Er solle in Interviews nicht immer den Clown spielen.

Führen heisst auch streiten dürfen

Auf die direkte Frage, was für ein Chef er sei, beschreibt sich Rima als umgänglich. Er mache Ansagen und wolle seine Vorstellungen umgesetzt sehen. «Mit mir darf man streiten, sich auseinandersetzen», sagt er. Wer an der Spitze stehe, brauche gute Beraterinnen und Berater und er müsse ihnen auch zuhören. In Isabelle Flachsmann habe er nicht nur eine Freundin, sondern jemanden, der sich traue, ihm zu widersprechen. Während der Arbeit am Buch und in den Proben habe es durchaus Streit gegeben, aber man habe gespürt, dass es dem Produkt diene. Wenn man sich am Abend wieder in den Arm nehmen und darüber lachen könne, sei alles gut.

Ebenso bewusst hat Rima diesmal Verantwortung abgegeben. Seine Frau habe die Zustimmung an eine Bedingung geknüpft: Keine Pensionskasse plündern, sondern Investoren an Bord holen. Das gelang. Klar war für ihn zudem, dass er die Regie nicht selbst übernehmen wollte. Bei «Patienten» habe ihn die Doppelbelastung buchstäblich umgehauen, damals sei er krank und schlicht erschöpft gewesen. Für Marketing und Promotion arbeitet er nun mit Reto Caviezel zusammen, der unter anderem auch Art on Ice macht. So könne er sich "zurücklehnen" und sich auf das Schauspiel konzentrieren. Das sei Arbeit genug.

«Mit mir darf man streiten. Wer an der Spitze steht, braucht gute Beraterinnen und Berater – und muss ihnen auch zuhören. Entscheidend ist, dass man sich am Abend wieder in den Arm nehmen und darüber
«Mit mir darf man streiten. Wer an der Spitze steht, braucht gute Beraterinnen und Berater – und muss ihnen auch zuhören. Entscheidend ist, dass man sich am Abend wieder in den Arm nehmen und darüber lachen kann.»

Bastian Baker und der Generationenwechsel im Ensemble

Die Hauptrolle, die einst Rima selbst spielte, übernimmt Bastian Baker. Die Besetzung entstand spontan: Rima war mit dem Auto im Glarnerland unterwegs, in Schwanden, als er sich an die gemeinsame Zeit bei Art on Ice erinnerte und ihn kurzerhand anrief. Baker singe gut, sehe gut aus, spreche gut Deutsch und sei ohnehin lustig. Der Musiker sagte rasch zu und liess sich Material schicken. Was er in den Proben abliefere, begeistere ihn, sagt Rima; Baker spiele die Rolle völlig anders als er selbst, ein Vergleich verbiete sich. Die weibliche Hauptrolle Claire übernimmt Viola Tami.

Wie es sich anfühle, plötzlich nicht mehr die Nummer eins auf der Bühne zu sein, will Andy Wolf wissen. «Ich bin einer von allen», antwortet Rima; er müsse proben wie jede und jeder andere auch. Es sei für ihn schön, einmal etwas ganz anderes zu spielen. Seine Erfahrung gebe er gerne weiter und es freue ihn besonders, dass Baker inzwischen selbst Tipps zurückgebe, die sitzen. Genau so sollte es im Leben laufen, findet er: Dass Jung und Alt voneinander lernen.

Spielorte, Wirtschaftlichkeit und Gesundheit

Weshalb drei Städte und nicht nur Zürich, möchte Andy Wolf wissen. Viele Leute gingen lieber dorthin, wo es näher sei, antwortet Rima, zudem seien die Theater stark ausgelastet. Das Geschäft sei schneller und kurzfristiger geworden, die Leute kauften weniger Tickets im Voraus als früher.

Zur Wirtschaftlichkeit sagt Rima, er rechne damit, dass die Mundpropaganda einsetze und die schwarze Zahl erreicht werde. Druck verspüre er keinen, aber er wolle seinen Investoren Freude machen. Körperlich hat er sich ebenfalls vorbereitet: Er könne wieder richtig gehen, sei seinem Arzt dankbar und mache weiterhin Therapie. Rechtzeitig vor den Previews fühle er sich wieder fit genug, um auf der Bühne Blödsinn zu machen und das mache ihn demütig: Gesundheit sei am Ende das A und O.

Nach dem Vorhang: Australien und ein Freundschaftsbuch

Nach dem Tourneeende hat Rima einen klaren Plan: Mit dem Velo quer durch Australien. Der Kontinent spielt in seiner Biografie eine besondere Rolle. Seine Frau Christina lernte er in Melbourne kennen, später lebte die Familie ein Jahr in Noosa. Besonders genossen habe er, dort einfach einer von allen zu sein, ohne dass der Beruf eine Rolle spielte. Zum Linksverkehr hat er eine Anekdote parat: In Dubai glaubte er einst, sich schnell daran gewöhnt zu haben – bis ihm auffiel, dass dort rechts gefahren wird.

Auf die Fragen aus dem Freundschaftsbuch nennt Rima Rot als Lieblingsfarbe und den schwarzen Panther als Lieblingstier. Heute ist er Fan des EHC Kloten, weil sein Schwiegersohn dort spielt. Kutteln und Koriander mag er gar nicht. Zu Hause sei er der Hausmann und kümmere sich um Kinder, Küche und Haushalt, während seine Frau das Geschäftliche übernehme. Das schönste Erlebnis seines Lebens? Die Geburten seiner vier Kinder – jede einzelne.

Lorena Imfeld

Lorena Imfeld

Als Content Creator ist Lorena verantwortlich für die Gestaltung von Reportagen, Ads und digitalen Formaten. Sie verleiht unseren Kundinnen und Kunden einen modernen Auftritt und achtet dabei auf ein klares, strukturiertes Design. So verbindet sie Inhalte mit einer ansprechenden Optik, die das Publikum direkt erreicht. So entstehen Beiträge, die inhaltlich wie visuell überzeugen.

Mehr Beiträge von Lorena Imfeld →