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Stubete Gäng zu Gast bei Andy Wolf: «Mit Papi durften wir 400 Konzerte spielen»

Andy Wolf empfing die Stubete Gäng im Studio von Radio Lozärn. Anfang Oktober ist ihr fünftes Studioalbum «Hände hoch» erschienen, die Samichlaus-Tour läuft bereits. Im Vodcast spricht die Band über den Hit «Spaghetti Bolognaise», den Song «Dreamer» mit dem berühmten Zitat von Magdalena Martullo-Blocher, den Bühnenabschied von Papi Hassler und darüber, warum ihr grösster Erfolg ganz ohne Plan entstanden ist.

Lorena ImfeldVon Lorena Imfeld · 3. November 2026

Das neue Album klingt anders als alles, was die Stubete Gäng bisher gemacht hat. Andy Wolf steigt darum gleich mit den neuen Liedern ein.

Ich bin ehrlich: Ich bin Team «Dreamer», nicht Team «Spaghetti Bolognaise». Was ist bei diesem Album anders?

Spaghetti Bolognese zu kochen, ist ja nicht besonders schwierig. Der Song «Spaghetti Bolognaise» war für uns aber wahnsinnig. Er hat mich an unsere Anfänge mit «Petra» erinnert. «Dreamer» ist völlig anders, so einen Song haben wir noch nie gemacht. Er ist recht fest Ländler, und zum ersten Mal haben wir einen Song um ein Sample herum gebaut. Das macht das Album wohl etwas spannender.

Die Heim-WM im Mai war ein Monat, in dem das halbe Land Musik und Sport zusammen erlebt hat. Wie habt ihr diese Zeit erlebt?

Wir waren im Stadion, es war unglaublich. Und dann der Final: Zehn Sekunden vor Schluss hast du verloren. Verrückt, was der Sport bewegen kann, mit Unterstützung der Musik. Es war ja nicht nur ein Sportanlass, es war ein Anlass. Musik verbindet immer. Zwischen den 70 Prozent Wasser in dir und den 70 Prozent Wasser in mir schwingt das relativ gut.

Drei Ideen, ein Lied

Wie ist «Dreamer» entstanden?

Nach unserer Pause trafen wir uns Anfang Jahr im Studio und jeder brachte seine Ideen mit. Einer wollte einen Song über ein Wunder machen und kam aufs Träumen. Ich war in den Ferien in einer Radiosendung über das Zitat von Magdalena Martullo-Blocher gestolpert und dachte: Das hat ja fast Kultstatus, da kann man doch etwas machen. Ich begann zu schreiben: «Ich bin Dreamer. Hauptsache, ich habe den Beamer.» Dann sagte Georg, er habe auch etwas vorbereitet, das könnten wir aber nicht machen. Er liess es laufen, und es hiess: «Ich bin Dreamer.»

Drei Ideen, unabhängig voneinander, und das in derselben Woche. Da war klar: Jetzt müssen wir das machen, es geht gar nicht anders.

Drei Ideen, unabhängig voneinander, in derselben Woche. Da war klar: Jetzt müssen wir das machen.

Stubete Gäng

Ihr habt den Song aufgenommen, bevor die Erlaubnis da war. Wie fragt man eine Frau an, die gefühlt 24 Stunden am Tag arbeitet?

Wir waren gerade im Flow und haben den Song zuerst fertig gemacht. Danach wurde über einen Kontakt angefragt, man zeigte ihr das Lied und dann hiess es warten. Das Schreiben hat enorm Spass gemacht. Es ist die Geschichte eines Typen, der sich heiss träumt, aufwacht und dann kommt diese Stimme. Das reisst dich fast auseinander.

Im Video ist sie es aber wohl nicht selber.

Mein Name ist Hase, ich weiss von nichts. (lacht) Wir arbeiten mit Bildwelten und den Möglichkeiten, die es heute gibt und haben einen Grafiker im Team, der diese visuellen Kunstwerke macht. Und ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass Frau Martullo-Blocher noch Zeit gehabt hätte, sich im Sheriffkostüm irgendwo hinzustellen.

Dann erwarte ich sie am 12. Dezember beim Tourabschluss in Sursee auf der Bühne.

Sie ist herzlich eingeladen, falls sie zuschaut oder zuhört. Das wäre dann ein Auftrag für unser Backoffice.

«Ich bin nur live»

Die Radios tun sich mit dem Song etwas schwer. Ärgert euch das?

Es ist nun einmal Formatradio. Wenn etwas nicht hineinpasst, wird es schwierig. Und trotzdem spielen wir so viel im ganzen Land wie kaum eine andere Band. Es ist wahnsinnig, dass auch Bands wie Hecht so viel Publikum haben und am Radio praktisch nie laufen.

Wie wichtig sind euch die Liveauftritte?

Sie sind essenziell, das ist das Fleisch am Knochen. Ich mag die kreative Arbeit, die man zuhause im Kopf, im Bett oder unterwegs hat. Aber danach bin ich nur live. Ich freue mich auf die Samichlaus-Tour, auf Leute, die wir im Sommer schon zwei-, dreimal gesehen haben, und auf die Neuen. Bei unserer Musik können die Leute einfach abschalten und die Zeit geniessen.

Liveauftritte sind das Fleisch am Knochen.

Stubete Gäng

Spaghetti, Samichlaus und viel Gelächter: Die Stubete Gäng mit Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.
Spaghetti, Samichlaus und viel Gelächter: Die Stubete Gäng mit Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn.

Es ist die erste Tour ohne euren Vater. Wie war dieser Prozess?

Ich weiss gar nicht, ob das traurig ist, ich freue mich ja auch für ihn. Wir mussten nie mit ihm hinsitzen und sagen, das sei jetzt das letzte Konzert. Es hat sich so ergeben, wie sich bei der Stubete Gäng alles entwickelt hat. Er ist jetzt 81. Zusammen mit Papi durften wir über 400 Konzerte spielen, das hätten wir uns nie erträumt.

Einen Papi kann man nicht eins zu eins ersetzen. Es brauchte drei Junge.

Zuerst hatten wir einen mit Klarinette, aber der hatte keine Haare. Also brauchten wir noch einen mit Haaren. (lacht) Und Hans war ja auch ein wahnsinniger Örgeler, da spielt jetzt der eine links und der andere rechts. Atanas, Theo und Seraphim heissen die drei Musketiere. Seraphim war schon auf unserem ersten Album dabei und hält heute Jung und Alt zusammen. Gute Örgeler, die traditionell und poppig spielen können, gibt es nicht viele. Und sie kommen in eine Familienbande hinein, das ist das Schwierigste.

Wie lasst ihr Fremde in euer Familienprojekt?

Bei uns gab es immer schon Fremde, die Familie Hassler ist weltoffen. Papi machte auf der ganzen Welt Musik, unsere Schwestern gingen ins Austauschjahr und wir hatten Gastschwestern zuhause. Die Tür stand immer offen. Darum war es für die Neuen nicht so schwierig, auch wenn sie in etwas hineinkamen, das schon voll lief.

«Du kannst nicht einfach sagen, ich fahre jetzt Formel 1»

Hecht spielt im Hallenstadion. Wäre das auch ein Ziel für euch?

Ich würde nicht Nein sagen. Aber das musst du auch können. Du kannst nicht einfach sagen, ich fahre jetzt Formel 1, gibst einmal Gas und landest in der Mauer. Hecht hat schon ganz viele Konzerte gespielt, und ich finde es grossartig, dass sie sich das jetzt geben können. Überhaupt ist es schön, dass es im Moment so viele Schweizer Acts gibt, die eine Halle füllen könnten.

Merkt ihr das Älterwerden?

Ja. Kleine Kinder, wenig Schlaf und plötzlich drückt es. Jetzt sind wir 40, da braucht es Fokus, und man muss gut auf sich hören. Ich versuche, in Bewegung zu bleiben und Sport zu machen. Aber in unserer Band funktioniert es so gut. Sogar die Techniker und die Leute, die die Bühne aufstellen, schreiben uns unter dem Jahr, dass sie sich auf die Samichlaus-Tour freuen. Etwas Schöneres gibt es nicht.

Das Zehn-Jahre-Jubiläum kommt mit grossen Schritten. Wohin geht es mit der Stubete Gäng?

Gute Frage. Wir haben in den letzten acht Jahren wirklich wenig geplant. In der Schule gab es für keinen Plan schlechte Noten. Jetzt ist es einmal aufgegangen, ohne Plan. Wir waren schon zwanzig Jahre vor der Stubete Gäng zusammen unterwegs, hatten immer irgendwo einen Keller und machten dort Kunst und Musik. Dass wir einmal 500 Konzerte spielen und bei Andy Wolf im Studio von Radio Lozärn sitzen, hätte ich nie gedacht. Das ist der Ritterschlag.

Erfolg kann man nicht planen.

Stubete Gäng

Drei Wörter für jemanden, der die Stubete Gäng nicht kennt?

Herkunfts-Jam. Humor. Und rot-weiss kariert, da hat jeder sofort ein Bild. Die Welt hat sich verändert, die Leute kaufen ihre Tickets nicht mehr zwei Monate im Voraus. Darum machen wir es weiter wie jetzt: Wir nehmen es, solange es uns gut geht. Die Stubete Gäng macht Freude, tanzt und verbindet die Leute.

Zum Schluss: Du warst selber FCL-Spieler und kennst Cheftrainer Udo Portmann gut. Wie zufrieden bist du mit deinem ehemaligen Gspänli?

Er hat natürlich unter mir gespielt, falls er zuhört. (lacht) Nein, wir spielten ein paar Saisons zusammen. Ich bin ein riesiger Fan von Udo und bei seinen Spielen fast nervöser als bei der Stubete Gäng. Dass einer aus der Provinz den ganzen Weg bis in dieses Stadion mit 14'000 Leuten geschafft hat, ist eine viel schönere Geschichte, als wenn Pep Guardiola in Luzern übernommen hätte. Wenn du FCL sagst, schmeckt es noch nach Familie. Das sollte man bewahren.

Danke, Stubete Gäng, für den Besuch im Vodcast von Radio Lozärn. Viel Freude auf der Samichlaus-Tour und auf alles, was ohne Plan noch kommt!

Lorena Imfeld

Lorena Imfeld

Als Content Creator ist Lorena verantwortlich für die Gestaltung von Reportagen, Ads und digitalen Formaten. Sie verleiht unseren Kundinnen und Kunden einen modernen Auftritt und achtet dabei auf ein klares, strukturiertes Design. So verbindet sie Inhalte mit einer ansprechenden Optik, die das Publikum direkt erreicht. So entstehen Beiträge, die inhaltlich wie visuell überzeugen.

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